Bei Reformbestrebungen dürfe es nicht zu Bruch mit Vergangenheit kommen

Kardinal Marx beschwört Tradition für Neuanfang in der Kirche

Aktualisiert am 18.11.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt/Bonn ‐ "Wir müssen den Mut haben, im Licht der Tradition etwas Neues zu beginnen und den Schatz von früher mitzunehmen": Kardinal Reinhard Marx warnte in seiner Predigt in Rom vor einem Bruch mit der Vergangenheit.

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Aus Sicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx darf es bei Reformbestrebungen in der Kirche nicht zu einem Bruch mit der Vergangenheit kommen. "Im Gegenteil: Wir müssen den Mut haben, im Licht der Tradition etwas Neues zu beginnen und den Schatz von früher mitzunehmen. Vor allem aber müssen wir nach vorne schauen", sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstagabend in Rom laut Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Marx predigte im Zuge des Vatikanbesuchs der deutschen Bischofe in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern. In der römischen Papstbasilika wird das Grab des Apostels Paulus verehrt.

Paulus als Vorbild

Der Apostel, der sich "vom hochgebildeten und vom konservativen Gesetzeslehrer zum Wanderprediger und dann zum Verkünder Jesu Christi" wandelte, sei ein gutes Beispiel für die Neuaufbrüche der Kirche in der heutigen Zeit. "Dieser Apostel hat alle für die neue Botschaft eingeladen, er hat keine Grenzen gesetzt, für ihn war jede und jeder willkommen, der oder die diesem Christus folgen will", erklärte Marx. "Man kann sagen, dass Paulus revolutionäres Potential hatte und dass er inklusiv dachte." Von den Erfahrungen des Apostels könne profitiert werden, "wenn wir darüber reden, wie es mit der Kirche und dem Volk Gottes weitergeht", so der Kardinal weiter. "Die Kirche ist mitten drin in der Welt und in der Zeitenwende. Wir laufen nicht anachronistisch neben der Zeit her."

Derzeit befinden sich die deutschen Bischöfe auf ihrem fünftägigen Ad-limina-Besuch im Vatikan. Am Donnerstag trafen sie zu Gesprächen mit Papst Franziskus zusammen. Laut Mitteilung der Bischofskonferenz ging es in dem langen Austausch unter anderem um "Überlegungen zur Seelsorge in veränderter Zeit", um das "Selbstverständnis des priesterlichen und bischöflichen Amtes" sowie um die Rolle der Laien in der Kirche. Auch das Thema Krieg und Frieden angesichts der Lage in Osteuropa wurde angesprochen. Ferner kamen "Aspekte des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland und des weltweiten synodalen Prozesses" zur Sprache, die in einem Gespräch am Freitag noch vertieft werden sollen.

Alle fünf bis sieben Jahre sind die Bischöfe aus aller Welt laut Kirchenrecht zu einem sogenannten Ad-limina-Besuch verpflichtet. Zweck ist, dass die Bischöfe eines Landes den Papst über die Situation in ihren Diözesen informieren. Neben den Gesprächen mit dem Papst sind Treffen in den Vatikanbehörden vorgesehen. (tmg/KNA)