Er empfinde zu "etlichen Themen" des Synodalen Wegs gleich

Bolivianischer Bischof: Vorwurf des deutschen Sonderwegs ist falsch

Aktualisiert am 24.11.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Immer wieder wird Kritik am Synodalen Weg laut, die Kirche in Deutschland wolle damit einen nationalen Alleingang machen. Bischof Eugenio Coter sieht das anders. Das Ablehnen von Veränderungen passt aus seiner Sicht nicht zum christlichen Stil.

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Der bolivianische Bischof Eugenio Coter hat den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland verteidigt. "Mein Eindruck ist, dass wir bei etlichen Themen absolut gleich empfinden", sagte der Apostolische Vikar von Pando in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch). Als Beispiel führte er den Priestermangel, den Ausschluss von wiederverheiratet Geschiedenen von der Kommunion und die Diakonenweihe von Frauen an. Der Vorwurf, die Kirche in Deutschland gehe einen nationalen Sonderweg, sei "schlicht falsch". "Wenn Katholiken in Deutschland und in Amazonien in Fragen wie den eben genannten gleich ticken, dann spricht vieles dafür, dass sie die Weltkirche insgesamt bewegen – und zwar deshalb, weil es Schlüsselthemen sind für die Kirche und ihren Ort in modernen Gesellschaften", so Coter.

Die Widerstände gegen Veränderung verglich Coter mit der Angst von Petrus, aus dem sicheren Boot zu steigen und über den See Genezareth auf Christus zuzugehen. "Klar ist: Wir müssen alle weit über das hinauskommen, was wir derzeit haben", sagte der Amazonas-Bischof. "Wenn der Papst sagt, die Kirche sei im Aufbruch, dann darf man nicht stehenbleiben, sondern muss neue Wege suchen." Diejenigen in der Kirche, die sich nicht verändern wollten, bezeichnete er als "Hindernis". Ihr Beharren passe nicht zum christlichen Stil. "Christ zu sein, bedeutet, sich auf diese Welt und ihre Wirklichkeit einzulassen – so wie Jesus Christus, der menschgewordene Gott, das vor 2.000 Jahren auch getan hat."

Angesprochen auf die Amazonas-Synode sagte Coter, dass Papst Franziskus in ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" sogar weiter gegangen sei, als viele Bischöfe es erwartet hätten. Er habe auch die Vielfalt von Diensten und Ämtern in der Kirche sehr deutlich anerkannt. Beim Thema "viri probati" habe das Kirchenoberhaupt "schon verstanden, worum es uns bei unserer Bitte nach der Zulassung ging, fürchtete aber eine Spaltung der Kirche, wenn er ihr stattgegeben hätte". Bischof Coter stammt aus Italien und ist seit 2013 Bischof und Apostolischer Vikar in Pando im bolivianischen Amazonasgebiet. Seit 2015 ist er zudem Präsident der Caritas in Bolivien. Coter ist derzeit als Gast des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat zu Besuch in Deutschland. (cbr)