Kardinal ruft zu Protest gegen Gesetz auf

Der Londoner Kardinal Vincent Nichols ruft zu Protest gegen die geplante Legalisierung der Suizidbeihilfe in Großbritannien auf. In einem Schreiben, das am kommenden Wochenende in den Pfarreien des Erzbistums Westminster verlesen werden soll, fordert er Katholiken dazu auf, ihre Abgeordneten zu kontaktieren, damit diese im Parlament gegen den Gesetzentwurf stimmen. Nichols ist Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales. Laut Bericht der Zeitung "The Tablet" planen auch andere Bischöfe Hirtenbriefe zu dem Thema.
Der Kardinal erneuert in seinem Schreiben nicht nur die Grundsatzkritik der Kirche zur Sterbehilfe, sondern missbilligt auch den aus seiner Sicht unzureichenden parlamentarischen Prozess für das Gesetz. Dass das Unterhaus weit mehr Zeit damit verbracht habe, über das Verbot der Fuchsjagd zu debattieren, als über den "langen und komplexen" Gesetzesentwurf zur Einführung der Suizidbeihilfe, werfe ein schlechtes Licht auf die Prioritäten der Abgeordneten, so der Nichols.
Minimale Zeit für Debatte
Der Gesetzesentwurf selbst sei lang und komplex, die Zeit für die Debatte jedoch minimal gewesen, kritisiert der Erzbischof von Westminster. Dazu habe der Ausschuss, der das Gesetz prüft, nur drei Tage lang und sehr einseitig Stimmen gesammelt, die das Gesetz unterstützten.
Nichols spricht sich daher für die Einsetzung einer sogenannten Royal Commission (Königliche Kommission) mit Experten oder eine andere unabhängige Untersuchung aus, bevor eine derartige Gesetzesänderung zu Fragen von Leben und Tod in Betracht gezogen wird. Die dritte Lesung und Abstimmung über das Gesetz soll Ende April, vermutlich am 25. April, im Parlament in London stattfinden.
In seinem Schreiben wirft der Kardinal zudem die Frage auf, ob Patienten oder medizinisches Personal ausreichend vor Druck geschützt würden. "Wie werden die Schwachen vor Zwang geschützt oder davor, dass sie sich als Belastung für die Familie fühlen? Können die Abgeordneten garantieren, dass kein Arzt oder Pflegepersonal gezwungen wird, an einem assistierten Suizid teilzunehmen?" Statt einer Liberalisierung von Sterbehilfe sei eine "erstklassige, mitfühlende Palliativversorgung am Ende des Lebens" nötig, betont Nichols. Eine gute Gesellschaft solle der Fürsorge für ältere, schutzbedürftige und schwache Menschen Priorität einräumen. (KNA)