Auftakt der Frankreichreise mit vielen Spekulationen

Papst Leo XIV. und Präsident Macron – ein höfliches Treffen

Papst Leo steht neben dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron
Bild: IMAGO / Catholicpressphoto

Paris zeigte sich von seiner besten Seite, als Papst Leo XIV. am Freitagvormittag dort seine viertägige Frankreichreise begann. Straßen und Wohnhäuser waren in mildes Spätsommersonnenlicht getaucht, selbst der rostige Stahl des Eiffelturms schien zu leuchten. Winkende Menschen säumten die Straßen, manche saßen im Bistro und tranken ihren Café in der Septembersonne.

Anders als sein Vorgänger Franziskus, der drei einzelne Orte im Land besuchte, stattet Papst Leo XIV. Frankreich einen echten Staatsbesuch ab - auch wenn der Akzent der Reise eindeutig auf dem kirchlichen Programm liegt. Um das Protokoll für die Begrüßung durch Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast hatte es im Vorfeld Spekulationen gegeben. Medien hatten berichtet, Macron habe mehr Glamour haben wollen, doch der Vatikan habe dies verweigert. 

Höfliche Begrüßung ohne Herzlichkeit

Das Präsidialamt dementierte. Doch allein die Tatsache, dass darüber spekuliert wurde, schien die ersten Momente der Begegnung zu belasten. Freundlich und höflich, aber ohne erkennbare Herzlichkeit und Wärme, begrüßten der Präsident und seine ganz in Schwarz gekleidete Ehefrau Brigitte den Papst auf dem roten Teppich des Präsidentenpalasts.

Und beim Fotografentermin unmittelbar vor Beginn des langen Vieraugengesprächs zwischen Papst und Präsident wirkte der Gastgeber weniger entspannt als sein Gegenüber aus Rom. Inzwischen hatten Medien berichtet, dass Macron bei den großen Papst-Messen in Paris, Lourdes und Metz seine Abwesenheit angekündigt hatte.

Laizistisches Frankreich

Neue Spekulationen, Macron wolle dem Papst damit eine stille Retourkutsche geben, machten die Runde. Doch sie bewahrheiteten sich nicht. Denn präsidiale Zurückhaltung bei Papstmessen hat im laizistischen Frankreich Tradition, es war also keine unfreundliche Geste Macrons.

Umso aufmerksamer wurde verfolgt, welche Akzente die beiden in ihren Reden setzen würden. Macron betonte die kulturelle Prägung Frankreichs durch das Christentum: Die Laizität bedeute keine Leugnung der Religion. Zudem unterstrich er den parallelen Einsatz von Staat und Kirche für Geflüchtete und Bedürftige. Die ethischen Streitthemen mit der Kirche sprach er in allgemeiner, philosophischer Form an und versprach dem Papst, Frankreich werde dessen Worte aufmerksam hören.

Papst Leo steht zwischen dem französischen Präsidenten Macron und seiner Frau Brigitte an der Treppe des Elysée-Palasts
Bild: © IMAGO / ABACAPRESS (Archivbild)

Der französische Präsident Macron wird bei den Papstmessen abwesend sein.

Der Papst zeigte sich bei seiner ersten Rede dankbar für Macrons Worte und zugleich kompromisslos in der Ablehnung von Abtreibung und aktiver Sterbehilfe. Liberalisierungen in beiden Bereichen hatte Macron in seiner zweiten Amtszeit mit Nachdruck vorangetrieben. Am 19. August hat der Präsident das von ihm explizit befürwortete Gesetz zur legalen Sterbehilfe für schwerkranke Menschen unterschrieben. 

Der Papst nutzte seine Rede im Élysée-Palast dazu, zu erklären, dass und warum die Kirche diesen Weg vom Leben zum Tod ablehnt. Er verband das mit Kritik an einem aus seiner Sicht fehlgeleiteten Umgang mit dem technischen Fortschritt in der Medizin: "Deshalb betone ich nachdrücklich, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet."

Er fuhr fort: "Heute besteht die Versuchung, sich von der Wissenschaft eine Lösung und einen Trost für all unser Leid zu erwarten. Dabei besteht oft die Gefahr, dass man einer Illusion erliegt. (...) Mit Besorgnis stelle ich bisweilen fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern."

Kirchliches Highlight ohne Macron

Nach der höflichen, aber klaren Konfrontation mit dem Präsidenten stand eine Rede vor der weltweiten Bildungsorganisation Unesco auf dem Programm, die ihren Sitz in Paris hat. Auch dieser UN-Organisation hat die katholische Kirche immer wieder Kontra gegeben, etwa, wenn die Unesco für eine sichere Abtreibungen warb.

Am Abend sollte der Papst das erste kirchliche Highlight seines Besuchs erleben: Ein Abendgebet in der unter Macrons Ägide wieder aufgebauten Kathedrale Notre-Dame. Der Präsident wollte, so heißt es, den Papst eigentlich persönlich durch die prachtvolle Kirche führen. Aber auch das stieß im Vatikan auf wenig Gegenliebe: Der Gottesdienst, nicht der Präsident, sollte im Mittelpunkt stehen.

Ludwig Ring-Eifel (KNA)