Derzeit wird wieder über das Bischofsamt diskutiert. Diesmal geht es aber nicht unbedingt um den Zugang zum Bischofsamt oder die damit verbundene Machtfülle, sondern um die Überforderung, die mit dem Amt einhergeht. Auslöser für die Debatte sind zwei überraschende Bischofsrücktritte in den vergangenen Wochen: Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann trat im August mit 66 Jahren zurück, der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers Anfang September im Alter von 74 Jahren. Beide Oberhirten erreichten die kirchenrechtlich vorgesehene Altersgrenze von 75 Jahren nicht – und beide nannten schwindende Kräfte als Grund für ihre Rücktrittsgesuche.
Auch wenn die Bischofsrücktritte selbst nicht explizit Thema bei der am Montag beginnenden Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe sind, werden sie doch das Bild prägen: Wiesemann und Timmerevers waren über 20 Jahre lang Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). In Fulda werden sie nun zum ersten Mal nicht mehr an den Beratungen teilnehmen. Vertreten werden sie – bis zur Amtseinführung ihres jeweiligen Nachfolgers – von ihren Diözesanadministratoren. Als neue Gesichter in Fulda mit dabei sind etwa auch der Hildesheimer Weihbischof Martin Marahrens, der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal oder der neue Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen.
Premiere für Bischof Wilmer
Eine Premiere gibt es auch für den Münsteraner Bischof Heiner Wilmer: Es ist seine erste vollständige Vollversammlung in der Rolle als DBK-Vorsitzender. Seine Mitbrüder hatten ihn bei der Frühjahrsvollversammlung im vergangenen Februar gewählt – damals noch als Hildesheimer Diözesanbischof.
Zum ersten Mal bei einer Vollversammlung der Deutschen Bischöfe dabei: der Apostolische Nuntius, Erzbischof Hubertus van Megen.
Wahlen beschäftigen die Bischöfe auch in Fulda: Bei der Herbstvollversammlung im vergangenen Jahr hatten sie beschlossen, die 14 bischöflichen Kommissionen auf acht zu reduzieren. Künftig wird es daher Kommissionen geben für Glaube und Wissenschaft, Liturgie und Kultur, Missionarische Pastoral und Kirchliche Dienste, Familie, Jugend und Erziehung, Ökumene und interreligiöser Dialog, Weltkirche und Migration, Gesellschaft, Caritas und Soziales sowie für Medien. Da die Wahl zum Kommissionsvorsitz für fünf Jahre erfolgt, könnte es hier einen Generationenwechsel geben. So kündigte etwa der bisherige Medienbischof, Kardinal Reinhard Marx, an, sein Amt nicht weiter ausüben zu wollen. Das liegt auch daran, dass er in zwei Jahren die bischöfliche Altersgrenze erreicht.
Neben den Wahlen der neuen Kommissionen steht vor allem die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., "Magnifica humanitas", im Mittelpunkt der Beratungen der deutschen Bischöfe. "Die Enzyklika ist als Dreh- und Angelpunkt im Denken von Papst Leo XIV. zu verstehen", heißt es in der Presseeinladung zur Vollversammlung. "Der Studientag der Deutschen Bischofskonferenz befasst sich mit zentralen Aspekten und leitet daraus das Handeln für die Kirche in Deutschland ab."
AfD, Lebensschutz und Erwachsenentaufen
Außerdem beschäftigen sich die Bischöfe demnach mit "aktuellen Fragen des demokratischen Gemeinwohls". Das dürfte auch die Erfolge der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen beinhalten. Gerade eine möglicherweise AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt könnte Konsequenzen für die katholische Kirche im Bundesland haben. Ein weiteres Pressegespräch wird es am Dienstag zum Thema "Leben vom Anfang bis zum Ende – aktuelle Fragen von der Leihmutterschaft über die Organspende bis hin zum assistierten Suizid" geben.
Ein wichtiges Thema auf der Agenda der Bischöfe ist zudem die Entwicklung der Erwachsenentaufen in Europa. Im Juni hatten Delegationen der Pastoral- und der Jugendkommission der DBK Frankreich besucht, um mit den dortigen Verantwortlichen über Gründe, Auswirkungen und Entwicklungen für das kirchliche Leben in Frankreich zu sprechen. Auch der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Stefan Heße, wird seinen Amtsbrüdern von seiner Reise nach Mexiko und in die USA berichten. Auch die Social-Media-Kanäle der DBK, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und "aktuelle Aspekte von Synodalität in der Kirche" sind Thema.
Die erste komplette Vollversammlung als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist es auch für Bischof Heiner Wilmer. Bei seiner Wahl im Frühjahr war er noch Bischof von Hildesheim, nun ist er Bischof von Münster.
Gerade im Hinblick auf den letzten Punkt machten der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und "Wir sind Kirche" im Vorfeld der Vollversammlung erneut ihre Reformforderungen deutlich. "Die Geduld des Kirchenvolks ist erschöpft. Es reicht nicht, Synodalität zu beschwören und gleichzeitig konkrete Reformen auf die lange Bank zu schieben", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Ein "Weiter so" werde in eine "Sackgasse der Bedeutungslosigkeit" führen.
"Warten wir mal ganz entspannt ab"
Kritik übten die Verbände etwa an der weiterhin ausstehenden vatikanischen Recognitio der Satzung für die geplante Synodalkonferenz. Die ursprünglich anberaumte erste Sitzung der Synodalkonferenz im November wurde wegen der fehlenden römischen Anerkennung bereits abgesagt. Ende August sagte Bischof Wilmer, er wisse von den Verantwortlichen an der Kurie, dass die Satzung in Bearbeitung sei und dies noch etwas Zeit brauche. "Ich bin zuversichtlich, dass wir da weiterkommen", sagte der DBK-Vorsitzende. Im katholisch.de-Interview erklärte auch der neue Nuntius, er wolle Ende Oktober nach Rom fahren, um den Zwischenstand der Diskussionen zu erfahren. "Wenn Sie mich heute fragen, würde ich mit Blick auf die Statuten sagen: Warten wir mal ganz entspannt ab."
Bei der Frage nach sakramentalen Ämtern für Frauen wollen die Bischöfe nicht bloß abwarten: Bei der Herbstvollversammlung sollen fünf Bischöfe für die neue Kommission "Frauen in sakramentalen Ämtern in einer weltweiten Perspektive" gewählt werden. Dort sollen sie gemeinsam mit fünf Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) arbeiten. Auch mit dieser Personalentscheidung könnten die Bischöfe also eine bestimmte Richtung in dieses Gremium einbringen.