Während seiner Reise in Frankreich

Papst bei Unesco: Warnung vor Machtmissbrauch und Willkür

Papst Leo steht auf einer Bühne der UNESCO. Hinter ihm stehen die Flaggen aller Mitgliedsstaaten
Bild: IMAGO / Bestimage

Papst Leo XIV. hat bei seiner Ansprache vor der Unesco in Paris scharfe Kritik an Machthabern geübt, die geltendes Recht willkürlich für ihre Zwecke auslegten. "Anstatt das Gesetz zu achten, berufen sich die Machthaber darauf, wenn es ihren Interessen dient, und missachten es, wenn es sie einschränkt", so der Papst am Freitag bei einem Besuch der Weltkulturorganisation in Paris. Gerechtigkeit selbst werde dabei wie eine Ware behandelt, "die man kaufen und verkaufen kann". Der Verfall des Gesetzes beginne mit "der Verdorbenheit des Herzens".

In seiner Rede warnte Leo XIV. zudem vor einer Globalisierung ohne Geschwisterlichkeit. Er verurteilte die "räuberischen Formen des Neokolonialismus", ideologische Zwänge und "all jene 'Kontakte ohne Beziehungen', die das menschliche Leben auf den Handel reduzieren". Auch die Wissenschaft könnte diesem Muster folgen, "wenn sie nur noch eine Technik der Macht wird".

Die heutige Verfügbarkeit von mehr und schnelleren Informationen sei nicht gleichbedeutend mit Weisheit. "Ohne eine gemeinsame ethische Grundlage besteht die Gefahr, dass die vielen Kommunikationskanäle falsche Informationen verbreiten und bedeutungslose Worte benutzen und dadurch den Dialog eher behindern als fördern", sagte Leo XIV. "Ohne Wahrheit unterliegt tatsächlich die Sprache der Logik der Gewalt und der Willkür der Mächtigen." Und so werde die Suche nach ihr zu einer Frage der sozialen und historischen Gerechtigkeit.

Effizienzkrise internationaler Organisationen

Im Unesco-Hauptquartier, in dem der Papst mit einem minutenlangen Applaus begrüßt wurde, beklagte Leo XIV. eine "Effizienzkrise" internationaler Organisationen. Dialog werde eher als Hemmnis für das Handeln denn als Ressource für den Frieden angesehen, eher als eine Form der Heuchelei denn als Gelegenheit, gemeinsam das Gute anzustreben. Konkrete Namen nannte der Papst nicht, doch fällt seine Kritik in eine Zeit wachsender Spannungen in der UN-Weltkulturorganisation: Die USA verlassen die Unesco zum Jahresende zum zweiten Mal, Israel trat 2018 aus.

Angesichts dieser Fehlentwicklungen gelte es, Vertrauen zu fördern, so der Papst. "Das Vertrauen darauf, dass Unterschiede nicht zwangsläufig eine Bedrohung darstellen, das Vertrauen darauf, dass ein aufrichtiger Dialog ein weitaus größeres Gut hervorbringen kann, als es jeder für sich allein erreichen könnte." Es gehe nicht darum, einem naiven Optimismus zu huldigen, der die Schwierigkeiten verkenne, sondern in der Hoffnung festzustehen, dass das Gute immer möglich ist. (KNA)