Pontifex spricht auch über Missbrauchsskandal

Papst Leo XIV. ruft Frankreichs Bischöfe zu Einheit und Mut auf

Papst Leo XIV. trifft Bischöfe der Bischofskonferenz Frankreichs
Bild: KNA/CPP/Alessia Giuliani

Papst Leo XIV. hat den von Missbrauchsskandalen und politischen Misserfolgen gebeutelten Bischöfen in Frankreich Mut gemacht. In einer Ansprache an die rund 120 Mitglieder der Bischofskonferenz im Wallfahrtsort Lourdes sagte er am Sonntagmorgen: "Ich appelliere an euch, Mut, Kühnheit und missionarische Kreativität zu zeigen."

Mit Blick auf zurückliegende Fehler, etwa im Umgang mit dem Missbrauchskandal, sagte er: "Habt immer den Mut, Fehler in der Liebe zur Wahrheit anzuerkennen, und die Entschlossenheit, die Wunden mit der Liebe des Guten Hirten zu heilen".

Papst betont politische Rolle der Kirche

Mit Nachdruck verteidigte der Papst das Recht der Kirche, sich trotz der strikten Trennung vom Staat in gesellschaftliche und politische Debatten einzubringen. Er sagte: "Das Wort der Kirche hat zurecht seinen festen Platz im öffentlichen Diskurs in Frankreich; es besitzt von Natur aus eine prophetische Autorität. Auch wenn es nicht immer gehört wird, wird es doch erwartet. Auch wenn ihm nicht gefolgt wird - insbesondere bei wesentlichen Fragen, die die Grundlagen der Zivilisation betreffen -, ist es notwendig; daran dürft ihr nicht zweifeln!"

"In Frankreich wie auch anderswo im Westen" gebe es, so der Papst weiter, "eine beunruhigende Polarisierung, einen Rückgang der Geschwisterlichkeit, der Herzlichkeit und der Qualität des gesellschaftlichen Lebens sowie ein Wiederaufflammen von Gewalt, Ungleichheit und Armut". Dem müsse die Kirche mit neuem missionarischen Schwung entgegenwirken.

In Paris trifft Leo XIV. auf eine erstaunlich lebendige Kirche

Katholische Kirche in Frankreich – das schien lange eine von Missbrauchsskandalen erschütterte Organisation im Niedergang. Doch beim Papstbesuch zeigt sie sich erstaunlich vital. Das findet Leo XIV. großartig.

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Ausführlich ging der Papst auch auf den Skandal des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Geistliche ein. Die Bischöfe hätten mutige Maßnahmen ergriffen, um darauf zu reagieren – "durch Zuhören, Suche nach Wahrheit, durch Gerechtigkeit, Vergebung, Wiedergutmachung und ein entschlossenes Engagement für eine Kultur der Prävention und des Schutzes vor diesen Verbrechen." Diesen Weg gelte es fortzusetzen.

Einheit in Vielfalt

Zu der Auseinandersetzung mit den in Frankreich starken katholischen Traditionalisten bemerkte der Papst, Einheit sei keine flache Gleichförmigkeit. Er betonte aber auch das gemeinsame Glaubensbekenntnis, den Gehorsam gegenüber dem Papst als "rechtmäßigem Hirten" und die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Damit wandte er sich gegen jene Strömungen im Traditionalismus, die - wie etwa die exkommunizierten Piusbrüder - das letzte Reformkonzil der katholischen Kirche ablehnen.

Bei der Freiluftmesse am späteren Vormittag griff der Papst erneut das Thema Missbrauch auf. Dabei lobte er die Bischöfe für die "mutigen Maßnahmen" gegen die "schmerzliche Plage des Missbrauchs". Er dankte den Geistlichen "für das, was ihr getan habt, und ich weiß, dass es für eure Bischofskonferenz einige sehr schwierige Momente gab." Zugleich forderte er sie auf, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei höchste Wachsamkeit zu wahren.

Aufruf zur Buße

Leo XIV. rief zur Buße auf – und nahm dabei ausdrücklich auch die katholische Kirche selbst in die Pflicht. "Sie muss den Mut aufbringen, diese Umkehr als Erste zu vollziehen", forderte der Papst in seiner Predigt. "Um von den tiefen Wunden, der Untreue und den schmerzhaften Irrwegen, die in ihr begangen wurden, zu genesen, müssen wir uns in Demut dem reinigenden Blick des Herrn stellen." Vor den Bischöfen des Landes und rund 150.000 Pilgern sagte Leo XIV.: Für das geistliche Wachstum sei "das Eingestehen unserer Fehler" unverzichtbar.

Am Abend ist in Lourdes eine Begegnung Leos XIV. mit sieben Betroffenen zu einem vertraulichen Gespräch geplant. Der Marienwallfahrtsort am Fuße der Pyrenäen hat dafür eine besondere Symbolik: Hier erkannten die französischen Bischöfe 2021 die institutionelle Verantwortung der Kirche für die Missbrauchsfälle an und baten um Vergebung. (mal/KNA)