Der italienische Ex-Priester Luca Favarin ist Vater geworden – und das hat seine Sicht auf Leben und Tod völlig verändert. Das schreibt der Mitte 50-Jährige, der als Priester in der Flüchtlingskrise bekannt wurde, unter einem Bild mit seinem neugeborenen Sohn in den sozialen Medien. "Heute ist der Tag, an dem Leben und Tod für mich eine völlig neue Bedeutung erhalten", schrieb er. Die Bedeutung vom Anfang und Ende des Lebens habe sich getauscht.
Bis zum Moment der Geburt habe sein eigenes Leben für ihn "einen unermesslichen Wert" gehabt. Doch nun erscheine das "unbedeutend". Er schrieb an seinen Sohn gerichtet, der am 28. September auf die Welt kam: "Wenn es nötig ist, werde ich den Mut haben, für dich zu sterben, denn ich habe das Schönste gesehen: die Geburt eines Kindes."
Luca Favarin bat 2023 nach Streitigkeiten um seine Laisierung
Favarin hatte die Baby-Neuigkeiten Ende Juli zum ersten Mal in den sozialen Medien geteilt und damit auch bekanntgegeben, dass er eine Partnerin habe. Schon kurz nach seiner Laisierung im Jahr 2023 hatte der Ex-Priester angedeutet, dass er sich vorstellen könne, eine Familie zu gründen.
In Italien bekannt geworden, war Favarin in der Zeit der Flüchtlingskrise. Er tauchte in Medienberichten auf, da er sich stark für schiffbrüchige Bootsflüchtlinge einsetzte. Gleichzeitig eckte er immer wieder mit seiner Diözese an, weil er die Kirchenlehre zu Sterbehilfe und gleichgeschlechtlichen Ehen offen kritisierte. Zur Suspendierung vom Dienst kam es 2022. Favarin hatte zur Unterstützung seiner Flüchtlingshilfe offenbar auch mehrere Unternehmen gegründet, die bis zu zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr generiert haben sollen. Die Diözese suspendierte ihn dafür und verwies auf das Kirchenrecht, nach dem Priester ohne Erlaubnis der kirchlichen Oberen keine geschäftlichen Aktivitäten ausüben dürfen. Favarin beklagte, die Gewinne seien ausschließlich für Hilfsmaßnahmen für Geflüchtete verwendet worden. Nach einigen Monaten der Suspendierung bat er selbst um seine Laisierung. (chd)