Standpunkt

Ein Medienpreis macht noch keine diskriminierungsfreie Kirche

Aktualisiert am 03.11.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Katholische Medienpreis geht an den #OutInChurch-Dokumentarfilm. Gleichzeitig wächst die Sorge, die Reform der Grundordnung des kirchlichen Dienstes könnte scheitern. Bei Preisen und Wertschätzung darf es nicht bleiben, kommentiert Felix Neumann.

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In Bonn wird heute der Katholische Medienpreis an das Autoren-Team der Dokumentation "Wie Gott uns schuf – Coming-out in der Katholischen Kirche" verliehen. Die Würdigung des Films zeigt eine große Ungleichzeitigkeit in der katholischen Kirche auf. Auf Beschluss der Diözesanbischöfe wird mittelbar für das Coming-out von mehr als 100 in der Kirche ehren- und hauptamtlich tätigen queeren Menschen ein Preis verliehen. Gleichzeitig gilt die Grundordnung des kirchlichen Dienstes, auf deren Grundlage die Diskriminierung queerer Beschäftigter möglich ist, immer noch weiter, gemildert nur durch mehr oder weniger unverbindliche Selbstverpflichtungen von Bischöfen und Generalvikaren, auf Sanktionen queerer Beschäftigter zu verzichten. Dazu kommt die Aussicht auf eine Reform der Grundordnung.

"Es ist ein tief berührender, erschütternder Film, der beschämt und aufrüttelt", heißt es in der Jury-Begründung. Beschämt und aufgerüttelt zeigten sich auch die in der Kirche, die daran – zumindest zum Teil – etwas ändern können. Seit dem Frühsommer liegt der Entwurf für eine Neufassung der Grundordnung vor, der den Kernbereich privater Lebensgestaltung von Beschäftigten für "rechtlichen Bewertungen entzogen" erklärt, Vielfalt als Chance begreift und an die Standards des staatlichen Antidiskriminierungsrecht bis hinein in die Formulierungen anschließen will. Bei aller berechtigten Kritik am Entwurf wäre das ein Paradigmenwechsel.

Nach dem Scheitern des Grundtextes zur Sexualmoral beim Synodalen Weg an den Stimmen der Sperrminorität der Bischöfe hängt auch über der Reform der Grundordnung ein Schatten: Kommt die für den Beschluss des bundeseinheitlichen Rahmens notwendige Zweidrittelmehrheit beim Ständigen Rat Ende November zustande? Vor kurzem berichtete die Caritas-Präsidentin von der aus manchen Bistümern zu hörenden Sorge, dass einige Bischöfe kalte Füße bekommen hätten. Unwägbar ist auch, was die Bischöfe von ihrem Ad-limina-Besuch beim Papst kurz vor ihrer Sitzung mitnehmen. Die Skepsis gegen den Synodalen Weg, zu dessen Beschlüssen auch ein Reformauftrag für die Grundordnung gehört, ist in Rom groß.

Bei verbaler Aufgeschlossenheit gegenüber queeren Menschen, sei es durch Preise, sei es durch bischöfliche Ehrenworte und Wertschätzungsbekundungen, darf es nicht bleiben. An der Grundordnung, nicht am Medienpreis, misst sich, was die Kirche aus #OutInChurch gelernt hat.

Von Felix Neumann

Der Autor

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und Mitglied im Vorstand der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.