Kardinal äußert sich zur Absetzung der gesamten Führungsspitze durch Papst

Ex-Caritas-Internationalis-Präsident Tagle verteidigt seine Entlassung

Aktualisiert am 23.11.2022  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Überraschend hat der Papst die Dachorganisation der Caritasverbände unter Leitung eines Sonderkommissars gestellt und alle bisherigen Verantwortlichen ihres Amts enthoben. Der geschasste Präsident zeigt sich gelassen und unterstützt Franziskus.

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Der ehemalige Präsident von Caritas Internationalis, Kardinal Luis Antonio Tagle, sieht in der Entlassung der gesamten Führungsspitze der weltweiten Dachorganisation der Caritasverbände das Ergebnis einer "sorgfältigen und unabhängigen" Untersuchung der Organisation. Laut Vatican News (Dienstag) betonte der Kardinal dabei deutlich, dass die Entscheidung des Papstes nichts mit Fällen von sexuellem Missbrauch oder finanziellen Unregelmäßigkeiten zu tun habe. Tagle hatte am Dienstag bei einer Konferenz von Caritas-Vertretern das Dekret vorgestellt, mit dem der Papst am selben Tag überraschend die gesamte Leitung inklusive Tagle als Präsident aus ihren Ämtern entlassen hat.

"Diese Nachricht mag für einige von Ihnen etwas beunruhigend oder verwirrend sein", erläuterte Tagle. "Aber seien Sie versichert, dass diese Entscheidung des Heiligen Vaters nach einer sorgfältigen und unabhängigen Untersuchung des Arbeitsumfelds des Sekretariats und der von den verantwortlichen Personen und Gremien ausgeübten Führung getroffen wurde", so der Kardinal weiter. Es handle sich bei der Entscheidung, die Leitung der Organisation einem "Außerordentlichen Kommissar" anzuvertrauen, um einen "Aufruf, demütig mit Gott zu gehen und einen Prozess der Unterscheidung zu durchlaufen, uns mit unseren Unfreiheiten zu konfrontieren und dem Geist der Freiheit und gleichzeitig dem Miteinander der verschiedenen Kulturen in ihren einzigartigen Ausdrucksformen des Menschseins zu folgen".

Keine Gefahr für die Arbeit der Hilfsorganisation

Die Arbeit von Caritas Internationalis werde weitergehen. "Wir haben starke Führungskräfte, die uns und den Verband bis zur nächsten Generalversammlung leiten werden", betonte Tagle und rief die anwesenden Vertreter auf, sich die Zeit zu nehmen, "um zu überlegen, wie unsere Mitgliedsorganisationen zur Stärkung dieser wunderbaren Zeit beitragen können". Bis zur nächsten Generalversammlung im Mai kommenden Jahres soll der Interimsleiter, der Unternehmensberater Pier Pinelli, eine Überarbeitung der Statuten der Organisation vorbereiten, "um deren Funktionalität und Effektivität zu verbessern", so das Dekret.

Die Entscheidung von Papst Franziskus traf die nationalen Caritasverbände überraschend. Gegenüber kath.ch sagte die Sprecherin der Schweizer Caritas, Livia Leykauf, dass ihr Verband erst am Dienstag von der Entscheidung des Papstes erfahren habe. Zum aktuellen Zeitpunkt sei eine Stellungnahme, die über die Darstellung der bekannten Faktenlage hinausgehe, nicht möglich. Der Deutsche Caritasverband äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen.

Caritas Internationalis ist die Dachorganisation der nationalen Caritasverbände und koordiniert vor allem die humanitäre Arbeit der kirchlichen Wohlfahrtsorganisationen. Im Papst-Dekret wird der Auftrag der Organisation so definiert: "Caritas Internationalis unterstützt den Papst und die Bischöfe bei der Ausübung ihres Dienstes an den Ärmsten und Bedürftigsten, beteiligt sich an der Bewältigung humanitärer Notsituationen und arbeitet an der Verbreitung von Nächstenliebe und Gerechtigkeit in der Welt im Lichte des Evangeliums und der Lehren der katholischen Kirche mit." Der durch den Papst verfügte Führungswechsel soll dazu dienen, die Erfüllung dieses Auftrags zu verbessern. Dazu sollen die Statuten überarbeitet werden, "um sie besser an die satzungsgemäßen Aufgaben der Organisation anzupassen und sie auf die Wahlen vorzubereiten, die während der nächsten Generalversammlung abgehalten werden sollen", so das Dekret. Tagle, der zudem Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung ist, war seit 2015 Präsident der Organisation. Der Kardinal wird den Sonderkommissar bei der Vorbereitung der nächsten Generalversammlung unterstützen. (fxn)