Auch Harry Potter hatte einen Zauberstab aus Stechpalmenholz

Grünes Laub und rote Beeren: Ilex ist als Weihnachtsdeko begehrt

Veröffentlicht am 12.12.2022 um 00:01 Uhr – Von Christoph Arens (KNA) – Lesedauer: 
Spiritea

Bonn ‐ In England sind sie das Weihnachtssymbol schlechthin. Auch in Deutschland werden Ilex-Zweige mit den tiefgrünen Blättern und leuchtend roten Beeren immer beliebter. Dabei ist die Tradition älter als der Weihnachtsbaum.

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Allerdings: Die Pflanze mit den stacheligen Blättern – auch als Stechpalme bekannt – steht nach jahrzehntelangem Raubbau seit 1935 unter Naturschutz. Wer aber keinen Ilex-Baum oder Ilex-Sträucher im eigenen Garten stehen hat, kann sich mit entsprechender Weihnachtsdeko versorgen.

Weil immergrüne Laubgehölze in Europa selten sind, ist Ilex (Ilex aquifolium) wie Tanne und Fichte eine Baumart mit hoher Symbolkraft. Das dauerhafte Grün symbolisiert für Christen die Hoffnung auf ewiges Leben, den Wunsch nach Gesundheit und Treue.

Kaum bekannt ist: Die Weihnachtsgeschichte der Stechpalme begann lange vor dem Siegeszug des Tannenbaums. Schon im Mittelalter holten Menschen in vielen europäischen Regionen die immergrünen Zweige zum Fest ins Haus. Bereits 1535 wurden in Straßburg kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumchen verkauft, die noch ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt wurden.

Auch zu Ostern gefragt

In Großbritannien ist Holly, so die Stechpalme im Englischen, zusammen mit Mistel und Efeu seit Jahrhunderten das Weihnachtssymbol schlechthin. Ebenso populär ist die Stechpalme in den USA. Dort existieren Ilex­-Plantagen, um die starke Nachfrage befriedigen zu können.

Dabei ist Ilex im christlichen Brauchtum nicht nur an Weihnachten gefragt, sondern auch zu Ostern: An Palmsonntag wurden die Stechpalmen als Palmenersatz verwendet, etwa bei Prozessionen. Dem Kruzifix flocht man an Karfreitag eine Krone aus Ilex, dessen rote Beeren das Blut symbolisieren sollen, das Jesus am Kreuz vergossen hat.

Bild: ©pure-life-pictures/Fotolia.com (Symbolbild)

Die Weihnachtsgeschichte der Stechpalme begann lange vor der des Tannenbaums

Stechpalmen bevorzugen mildes, atlantisches Klima mit ausreichend Feuchtigkeit und nicht zu heißen Sommern – sie sind vor allem im Rheinland und einigen Regionen Norddeutschlands verbreitet. Regional existieren viele Namen für die Pflanze. In Deutschland ist etwa Hülse, Hülsdorn, Christdorn, Stecheiche oder Stechdorn gebräuchlich. Der Hülse verdanken Orte wie Hülsede, Hüllhorst, Hülsenbusch oder Schloß Hülshoff bei Münster, der Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, ihre Namen. Der englische Name "holly" leitet sich vom angelsächsischen holegn und dem althochdeutschen hulis "heilig" ab. Die Stadt Hollywood, Zentrum der US-Filmindustrie, wurde 1888 an einem Ort gegründet, an dem ein Stechpalmenwald ein prägendes Landschaftselement war.

Stechpalmenblättern werden seit der Antike verschiedene medizinische Wirkungen zugeschrieben: Sie enthalten Bitterstoffe, Gerbstoffe, Koffein, Vanillin, Mineralstoffe und Pektine, die etwa bei Gicht, Rheuma und Arthritis eingesetzt wurden. Die Früchte wurden auch als Abführmittel, die Blätter als schweißtreibender, fiebersenkender Tee bei Grippe und Bronchitis verabreicht. Schon Plinius (23/24 - 79 n. Chr.) empfahl die Pflanze gegen Gelenkbeschwerden. Heutzutage spielt die Stechpalme in der Pflanzenheilkunde allerdings nur noch eine Nebenrolle. Manche Mediziner sprechen insbesondere den unangenehm schmeckenden Früchten giftige Wirkung zu. Ihr Verzehr kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, aber auch Herzrhythmusstörungen, Lähmungen und Nierenschäden auslösen.

Große Bedeutung in der Mythologie

Das gelblichgrüne, dichte und gut polierfähige Holz eignet sich für Drechslerarbeiten und Furniere. Da es sich gut schwarz beizen lässt, dient es als Ersatz für Ebenholz. Druckstöcke für Holzschnitte, Ladestöcke, Peitschenstiele und Spazierstöcke wurden aus Ilex-Holz gefertigt. Auch Johann Wolfgang Goethe besaß einen solchen Wanderstock.

In der Mythologie hat die Stechpalme ebenfalls eine große Bedeutung. Bei den Römern wurden die Häuser zu den Saturnalien, dem römischen Mittwinterfest, mit Stechpalmenzweigen geschmückt. Auch im Bacchuskult hatte die Pflanze neben dem Efeu ihren festen Platz. Die Stechpalme war zudem der Baum der Hel, der germanischen Göttin der Unterwelt. Deshalb galt das Holz als besonders geeignet für Zauberstäbe der Hexen. Vermutlich hat die Schriftstellerin Joanne K. Rowling deshalb ihre Romanfigur Harry Potter mit einem Zauberstab aus Ilex-Holz ausgestattet.

Von Christoph Arens (KNA)