Echte Gefühle hinter der Verkleidung

Wann legen wir unsere Masken ab?

Veröffentlicht am 12.02.2024 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Grafschaft ‐ Die Lieblingsmaske von Schwester Gabriela Zinkl ist die des Jokers. Masken haben große Wirkung – ob als Verkleidung, versteckte Gefühle oder während der Corona-Pandemie als kleines Stück Stoff, das die Menschen spaltete.

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Meine Lieblingsmaske ist die des Jokers. Ich meine nicht den einfachen Clown oder Kasperl von den Spielkarten, sondern die Figur aus den Batman-Comics und -Filmen. Die typisch melancholisch-verletzte und verletzende Art wirkt auf mich faszinierend und traurig zugleich. Obwohl ich kein eingefleischter Karnevalsfan bin, finde ich Masken jeder Art ziemlich spannend, nicht nur im Karneval, sondern überhaupt.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass uns die Zeit der Covid-Pandemie zur Benutzung von Masken gezwungen hat und sich jeder und jede, der bis dahin noch nicht beruflich oder anderweitig mit dem Thema konfrontiert gewesen ist, damit auseinandersetzen musste. Plötzlich war das Wort "Maskenpflicht", das sonst nur am Eingang zum OP-Bereich im Krankenhaus oder auf Einladungskarten zu Maskenbällen auftauchte, in aller Munde. Das kleine unscheinbare Stück Stoff oder Papier, das Nase und Mund vor dem Eindringen unerwünschter Viren schützen sollte, war auf einmal nicht nur überall Gesprächsthema, sondern trieb einen Keil durch ganze Familien oder langjährige Freundschaften. Seltsam, was eine Maske so alles auslösen kann!

Bis dahin beschränkte sich unser alltäglicher Sprachgebrauch von "Maske" auf die typische Karnevalsverkleidung im Rheinland, im Alemannischen, in Venedig und überall dort, wo das Maskieren an den närrischen Tagen vor Aschermittwoch eine wichtige regionale Tradition darstellt. Die eine oder der andere hat vielleicht Erfahrung mit Gurken-, Soja- oder anderen Kosmetikmasken, die uns eine Steigerung der Schönheit und des Wohlbefindens versprechen. Und am Filmset und in TV-Studios gibt es die "Maske" als Schminkraum, wo die Darsteller auf ihren Auftritt vor Kameras und glänzenden Scheinwerfern vorbereitet und zurechtgemacht werden. Bis zur Maskenpflicht in der Pandemiezeit hatten die meisten wohl herzlich wenig mit dem Tragen oder Aufsetzen von Masken am Hut.

Bild: ©picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam (Symbolbild)

Masken liefern auch "Stoff" zur Spaltung.

Dabei spielen Masken und ihre Bedeutung in der Geschichte der Menschheit seit jeher eine wichtige Rolle. Das Worte "Maske" lässt sich vom arabischen Wort "mahara" ableiten, was so viel wie Narr, Hänselei oder Scherz bedeutet. Schon früh waren Masken aus Schminke, Pflanzenteilen, Leder, Holz, Ton oder Stoffen bis hin zu Kunststoff als Maskierung wichtiger Bestandteil von kulturellen und religiösen Riten. Hinter diesen Masken verschwanden der und die Trägerin als Person, stattdessen tanzten und zelebrierten sie stellvertretend für alle anderen den jeweiligen Ritus oder Kult. Bis heute kann man das sehr gut sehen bei indischen Tempeltänzerinnen oder afrikanischen Dogon-Tänzern. Nicht selten dienen solche Rituale dazu, Schutzgottheiten anzubeten und böse Geister abzuschrecken. Aus der Kultur der rituellen Masken entwickelte sich in der Antike der Brauch von Totenmasken. Sie sollten Unheil abwehren, dem Toten ein würdiges Aussehen verleihen und Dämonen abwehren. Mit der Zeit fanden sie zunehmend Verwendung als Erinnerungsstück oder Ahnenkult bei den Hinterbliebenen und verliehen den Verstorbenen ein würdiges Aussehen. Auch die Theatermasken im antiken Griechenland sind aus der Kultur ritueller Masken entstanden. Sie waren Masken, die bis auf die Augen das ganze Gesicht bedeckten, und brachten die Gefühle der Rollen des Theaterstücks noch besser zum Ausdruck: lachende Masken in Komödien, traurige in Dramen und viele andere Masken. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich daraus viele weitere Charaktere mehr, so auch die Figur des Hofnarrs am Königshof, der der Vorläufer der Joker-Figur bei Batman ist.

Im Mittelalter kamen die Schandmasken aus Metall dazu, die für Beschuldigte vor Gericht als Strafe verhängt wurden. Von daher kommt der "Gesichtsverlust" als große persönliche Schande und Entehrung. Etwa zur gleichen Zeit kamen die ersten Schutzmasken auf, die Nase und Mund bedeckten, zum Schutz vor der Pest und anderen Pandemien.

"Leg deine Maske ab"

Durch europäische Bräuche im Rahmen von Jahreswechsel, Fastnacht und Karneval blieben solche Masken weiterhin erhalten und wurden modifiziert, mit mehr oder weniger Bedeckung oder Bemalung des Gesichts. Im 17. und 18. Jahrhundert kam das Tragen von Masken das ganze Jahr über bei den Wohlhabenden und Mächtigen in Mode, ein lustiges Wechselspiel zwischen Vertrautheit und Anonymität.

"Leg endlich deine Maske ab", werden gefühlskalte oder schauspielernde Menschen manchmal gebeten, als ob sie eine unsichtbare Maske hätten, die ihre eigentlichen Gefühlsregungen verbirgt. Zugegeben, auch ich trage im Alltag manchmal so eine unsichtbare innere und äußere Schutzmaske, die meine eigentliche Einstellung für kurze Zeit verbirgt. Wahrscheinlich tragen wir alle im Alltag solche inneren und äußeren "Schutz-Masken". Sicher gibt es dafür genug gute Gründe und Anlässe. Nicht das wir uns immer künstlich verstellen müssten, nur manchmal ist es besser, etwas vor anderen zu verbergen, aus Höflichkeit, aus Freundlichkeit, aus Entgegenkommen.

Manchmal bröckelt die Fassade. Wenn ich zurückschaue in die Geschichte der Masken, bin ich doch froh, dass wir heute nicht mehr das ganze Jahr über ein Versteckspiel unter Masken führen müssen oder uns jenseits des Virenschutzes ohne Maske und von Angesicht zu Angesicht begegnen können. Für kurze Zeit kann das Tragen einer Maske erheitern, schützen oder beruhigen. Das einmalig schöne Gesicht meiner Mitschwester, meines Nachbarn oder meiner Arbeitskollegin nehme ich aber lieber ganz natürlich und ohne Maske wahr.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB arbeitet in der Ordensleitung des Kloster Grafschaft. Sie pendelt zwischen Deutschland und Jerusalem, wo sie in der Lehre tätig ist. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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