Oberster Prämonstratenser zeichnet düsteres Bild

Ungeeigneter Nachwuchs, Streit in Abteien: Generalabt rechnet ab

Veröffentlicht am 24.04.2026 um 14:44 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Die Prämonstratenser sind der fünftälteste Orden der Kirche – doch von einstiger Größe ist wenig übrig. Generalabt Jos Wouters beschreibt die Situation seiner Gemeinschaft schonungslos. Können Reformen den Orden retten?

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Der oberste Prämonstratenser zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft seines Ordens. Die meisten europäischen Abteien hätten keine Zukunft, sagte Generalabt Jos Wouters gegenüber dem "Nederlands Dagblad". Der Nachwuchs, der sich noch für ein Klosterleben interessiere, sei oft nicht geeignet: Bei Interessenten handle es sich immer häufiger um psychisch labile Menschen. "Aus einem Überlebensreflex heraus nehmen Klöster solche Menschen auf, obwohl sie völlig ungeeignet sind", so Wouters weiter. Die Kirche sei in der Gesellschaft zu einem Randphänomen geworden: "Und sie zieht Menschen aus Randgruppen an."

Angesichts der Größe seines Ordens sei es nicht möglich, solchen Menschen mit einer "schwierigen Vergangenheit" eine angemessene Ausbildung zuteilwerden zu lassen. In seiner Ordensgemeinschaft gebe es noch eine Reihe weiterer grundlegender Probleme, die klar und offen angesprochen werden müssten. Anlass der Äußerungen Wouters sind Recherchen des "Nederlands Dagblad" zu den Zuständen in der niederländischen Abtei Berne, in der es eine jahrelange Kultur der Angst und Machtkämpfe geben soll.

Vergiftete Atmosphäre in Abteien

Der Generalabt bestätigt diese Zustände. In vielen Abteien herrsche eine schlechte religiöse Kultur. Es werde versucht, innere Schwäche durch große Herrschsucht zu kompensieren: "Religion wirkt dann wie ein Exoskelett, ähnlich wie bei einem Hummer, der kein inneres Skelett hat: Sie ist außen hart, um die Schwäche im Inneren zu verbergen." Unerbittlicher Streit über religiöse und liturgische Ansichten führe zu einer vergifteten Atmosphäre in den Abteien. "Die Menschen innerhalb einer Gemeinschaft werden dann zu Gegnern, und es kann kaum noch ein gewöhnlicher, normaler, freundschaftlicher, kameradschaftlicher, brüderlicher Kontakt stattfinden."

Als Generalabt stoße er dabei an seine Grenzen. Er habe nicht die Kompetenz, in die autonomen Abteien einzugreifen, die Ergebnisse von Visitationen würden oft ignoriert. Das nächste Generalkapitel des Ordens, das 2030 ansteht, muss sich daher nach Ansicht Wouters mit der Frage der Autonomie der einzelnen Klöster befassen. Neben der Frage nach Mindestgrößen von Klöstern stellten sich auch Fragen nach Begleitung und Aufsicht.

Wouters gehört seit 1978 der Prämonstratenser-Abtei Averbode in Belgien an, deren Abt er von 2006 bis 2018 war. Seit 2018 ist er Generalabt seines Ordens. Zum Orden gehören nach eigenen Angaben heute 1.600 Mitglieder in 81 Niederlassungen weltweit. Die Prämonstratenser wurden im 12. Jahrhundert von Norbert von Xanten gegründet. In Deutschland gibt es noch drei Abteien in Duisburg, Speinshart (Oberpfalz) und Windberg (Niederbayern) sowie Priorate in Magdeburg und Roggenburg (Schwaben). (fxn)