Kandidaten für alt-katholisches Bischofsamt stehen fest
Die Kandidaten für die Nachfolge des alt-katholischen Bischofs Matthias Ring stehen fest: Zwei Priester bewerben sich um das Bischofsamt, wie das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland am Donnerstag mitteilte. Zu einer Kandidatur bereit erklärt haben sich der Dortmunder Pfarrer Robert Geßmann und der Hamburger Dekan Walter Jungbauer. Der 63-jährige Ring scheidet anlässlich seines Ruhestands aus dem Amt aus. Gewählt wird der neue Bischof oder die neue Bischöfin durch eine außerordentliche Synode, der Geistliche und Laien angehören.
Walter Jungbauer (Jahrgang 1965) ist Pfarrer in Hamburg und Dekan des Dekanats Nord. Außerdem ist er Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit sowie für die internationalen Hilfsprojekte des alt-katholischen Bistums. Jungbauer ist mit einer evangelisch-methodistischen Pastorin verheiratet und hat drei Kinder.
Robert Geßmann (Jahrgang 1975) ist Pfarrer in Dortmund und kommissarischer Dekan in Nordrhein-Westfalen. Er ist Lehrbeauftragter für Kirchenrecht am Alt-Katholischen Seminar der Universität Bonn. Geßmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Beide Kandidaten sind Konvertiten aus der römisch-katholischen Kirche. Jungbauer lernte die alt-katholische Kirche während seines Theologie-Studiums in Bamberg kennen, Geßmann war vor seinem Übertritt Pastoralreferent im Erzbistum Freiburg.
Matthias Ring wurde 2010 zum zehnten Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland gewählt. 2026 geht er in den Ruhestand.
Die Erklärung der Kandidatur ist noch keine Vorentscheidung, bis zur Wahl können noch neue Kandidatinnen und Kandidaten dazukommen. Nicht kandidieren können nach aktuellem Stand der ehemalige Speyerer Generalvikar Andreas Sturm, der Pfarrer in den Gemeinden Singen, Sauldorf und Meßkirch ist, und der ehemalige Saarbrücker Dekan Clemens Engel, geborener Grünebach, der Seelsorger in der Gemeinde Düsseldorf. Beide erfüllen noch nicht die Wählbarkeitsvoraussetzungen für das Bischofsamt, da sie noch keine fünf Jahre in der alt-katholischen Seelsorge tätig sind. Der Synode liegt aber ein Antrag vor, diese Anforderung zu streichen. Vor der Wahlsynode im Herbst tagt noch die ordentliche Synode Anfang Juni, die über diesen Antrag entscheiden wird.
Bischöflich-synodale Kirchenverfassung
Der Bischof wird durch die Synode gewählt, regulär endet sein Amt durch das Erreichen des Rentenalters. Gewählt werden können gemäß der aktuellen Synodal- und Gemeindeordnung Priesterinnen und Priester, die zum Pfarrer gewählt werden können, wenigstens fünf Jahre in der alt-katholischen Seelsorge oder als Lehrer der alt-katholischen Theologie tätig sind, ein Mindestalter von 35 Jahren erreicht haben, über die nötige wissenschaftlich-theologische Qualifikation verfügen und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Aufgrund der bischöflich-synodalen Struktur der alt-katholischen Kirche haben ihre Bischöfe nicht dieselben Vollmachten wie römisch-katholische Bischöfe. Sie leiten das Bistum gemeinsam mit einer auf Zeit gewählten Synodalvertretung. Dienstsitz des Bischofs oder der Bischöfin ist Bonn.
Matthias Ring wurde 2009 zum zehnten Bischof des Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland gewählt und 2010 zum Bischof geweiht. Nach Stationen in der Pfarrseelsorge war er Direktor des Bischöflichen Seminars und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alt-Katholischen Seminar der Universität Bonn und wurde in Bern zum Verhältnis der alt-katholischen Kirche Deutschlands zum Nationalsozialismus promoviert.
Die Alt-Katholische Kirche in Deutschland entstand in den 1870er-Jahren in Abgrenzung zu den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) zur Unfehlbarkeit und zum Jurisdiktionsprimat des Papstes. Zum deutschen Bistum gehören gut 16.000 Mitglieder in 60 Pfarrgemeinden. Seit 1994 können im deutschen Bistum Frauen zu allen Ämtern geweiht werden. Die ersten beiden Priesterinnen wurden 1996 geweiht. Die erste alt-katholische Bischöfin ist die 2023 gewählte und geweihte Maria Kubin, die Bischöfin der Altkatholischen Kirche in Österreich ist. (fxn)
