Bischof Wilmer über neue TV-Serie: Unbedingt anschauen!
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, lobt die neue Arte-TV-Serie "Etty" als besonders sehenswert. "Etty führt uns in jene Räume unserer Seele, von denen wir nicht einmal erahnen, dass es sie gibt", schreibt er in einer Kurz-Rezension, die er auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nach Ausstrahlung der ersten drei Folgen verfasst hat. "Ich empfinde den Film als bedrückend, erschütternd, körperlich. Er geht unter die Haut, weil er nicht auf Distanz bleibt", fügte der Hildesheimer Bischof hinzu, der im Juni nach Münster wechseln wird.
2024 hatte Wilmer das Buch "Herzschlag. Etty Hillesum – Eine Begegnung" geschrieben und angeregt, deren Tagebücher zur Pflichtlektüre an Schulen zu machen. Die junge jüdische Autorin war 1943 in Auschwitz ermordet worden. Die Serie zwinge den Zuschauer hinein "in die innere Not eines jungen Menschen, hinein in Angst, Sehnsucht, Begehren, Einsamkeit und die dunklen Schächte der Geschichte", so Wilmer weiter. "Etty" erzähle "von der Fragilität des Menschen. Von seiner Würde. Von seiner Zerrissenheit. Und von der fast unfassbaren Fähigkeit, selbst im Angesicht der Vernichtung innerlich wach zu bleiben."
"Verletzlich, sinnlich, existenziell"
Der Film sei "verletzlich, sinnlich, existenziell", führt der Bischof weiter aus. Im Zentrum stehe eine radikale Menschlichkeit: "Etty Hillesum schaut in den Hass – und verliert nicht ihre Fähigkeit zur Liebe. Das ist keine Naivität. Das ist geistige Kühnheit." Der Film erschüttere ihn, weil er still genug sei, um die inneren Geräusche eines Menschen hörbar zu machen.
Die Serie richte sich an Menschen, die sich trauten, den schweren Dingen des Lebens ins Gesicht zu sehen, ergänzt der Bischof: "An Menschen, die nicht vor sich selbst weglaufen. An Menschen, die den Weg nach innen wagen, ohne sich von der Welt abzuwenden." Es gehe um Hoffnung wider alle Hoffnung: "Darum sollte man diesen Film anschauen. Nicht trotz seiner Schwere, sondern wegen ihr." Etty Hillesum zeige, so Wilmer weiter: "Menschlichkeit beginnt dort, wo der Mensch nicht mehr flieht. Vielleicht liegt genau darin die verstörende Schönheit dieses Films." (KNA)
