TikTok-Schwester: Viele haben Nonnen nur im Horrorfilm gesehen
"Erst einmal bilde ich etwas sehr Exotisches ab" – so erklärt die Osnabrücker Benediktinerin Schwester Josefine ihren Erfolg auf TikTok. Viele Menschen hätten noch nie eine Nonne gesehen, "und wenn, dann nur in einem Horrorfilm", sagte die 38-jährige Ordensfrau in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Seit Weihnachten 2024 ist sie auf dem TikTok-Kanal des Bistums Osnabrück präsent, der seither 55.000 Follower gesammelt hat. Einige Videos erreichen Reichweiten im Millionenbereich.
Oft werde Schwester Josefine zuerst mit einer Muslima verwechselt: "Wenn sie dann verstehen, dass ich Teil der katholischen Kirche bin, ist mein Vorteil als Nonne, dass sie keine direkte Verbindung beispielsweise zu den Missbrauchsfällen ziehen, wie das sonst oft der Fall ist." Unter den Followern ihres Accounts macht die Benediktinerin zwei Gruppen aus: "Die größere hat so wenig Wissen, dass sie noch nicht mal Vorurteile hat. Die andere Gruppe, die etwas ältere, findet es total revolutionär, dass wir Pommes essen."
Als "Christfluencerin" sieht sich Schwester Josefine nicht: "Ich sehe teilweise Beiträge in den sozialen Medien, da sträuben sich mir die Haare. Einige sind sehr starr in dem, was sie glauben, wie man sich als Christ zu verhalten hat." Schwarz-weiß-Denken und das Urteilen über andere Menschen, das viele Christfluencer an den Tag legten, hält sie für gefährlich. "Da, wo Menschen sind, gibt es Fehler. Wir wissen alle, in der Bibel steht, dass Gott uns richten wird. Und warum sollte ich mir herausnehmen, das bei anderen zu tun?", so die Benediktinerin. (fxn)
