Martin
Vielen gilt "Sankt Martin" (um 316-397) heute als der Inbegriff regionalen Brauchtums und christlicher Tradition. Für Martins Zeitgenossen stellte er hingegen das genaue Gegenteil dar: eine bis dahin nie dagewesene Neuheit. Er wurde als Sohn eines heidnischen römischen Offiziers in Savaria (heute Ungarn) geboren und wuchs in Pavia auf. Dort lernte Martin das Christentum kennen und zählte bald zur Gruppe der Taufbewerber. Mit 15 Jahren wurde er gegen seinen Willen zum Militärdienst eingezogen – erst nach Ableistung der 25-jährigen Dienstzeit wurde er wieder entlassen. Anschließend empfing Martin von Bischof Hilarius von Poitiers die Taufe und zog sich nach dem Vorbild der ägyptischen Wüstenväter in die Einsamkeit zurück. Doch immer mehr gleichgesinnte Männer schlossen sich Martin an: So entstand 361 in Gallien das erste Kloster Westeuropas. Gut zehn Jahre später wurde Martin – angeblich unfreiwillig – zum Bischof von Tours gewählt. Auch hiernach blieb er seinem asketischen Lebensstil treu und begründete so den neuen Amtstyp des Mönch-Bischofs. Martin trieb die Christianisierung der Landbevölkerung voran und soll äußerst freigiebig gewesen zu sein. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November unter großer Anteilnahme der Gläubigen in Tours beigesetzt. Martin gehört zu den ersten Nichtmärtyrern, die in der römischen Liturgie als Heilige verehrt wurden.