Schon vor der großen Freundejagd auf Facebook hatte Benedikt XVI. gut 200 Stück. Das Kardinalskollegium sei eine "Gemeinschaft großartiger Freunde"; er fühle sich in diesem Kreis "sicher" und "zu Hause", sagte Papst Benedikt 2012 in einer Rede zu seinem 85. Geburtstag. Die Kardinäle und er gehörten "im Kampf gegen das Böse" zur "Mannschaft des Herrn" - und damit "immer zum Siegerteam".
Nun hat ja am Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit, der sogenannten Martinsquadragese, die neue Karnevalssession begonnen; auch sie hat zum Thema Freunde Maßgebliches beizutragen. "Echte Fründe ston zesamme su wie ene Jott un Pott", heißt es etwa in einem Lied der "Höhner" (Hühner) aus Köln. Richtige Freunde also hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Fast biblisch geht es weiter: "Fründe en der Nut, jon'er 100, 100 op e Lut", also: An Freunden in der Not gehen von 100 nur wenige in ein Lot. Heißt im Klartext: Im Zweifel bleiben eher wenige übrig.
Jetzt streiten also die Gelehrten, ob im Zank um das Papstschreiben "Amoris laetitia" die echten Freunde von Franziskus jene sind, die die Auslegung öffentlich in Frage stellen, oder eher jene, die es vorziehen, gar nichts dazu zu sagen. Jedenfalls könnte Franziskus gefallen, dass für beide Seiten nun eher Kirchenvertreter von den Rändern in die Bütt steigen: je ein Bischof aus Griechenland und aus Kasachstan.
Weniger gefallen dürfte ihm die Schwere der Geschütze. "Häresie" wirft der eine jenen Kardinälen vor, die die Öffentlichkeit suchen, um vom Papst Klarheit zu verlangen. "Verdunkelung der Wahrheit", poltert der andere. Pech und Schwefel in einer Art Kulturkampf der Barmherzigkeit. Unterdessen "ergießt sich in diesen Tagen ein wahrer Sturzbach von Papst-Interviews über die Interessierten", wie Radio Vatikan genüsslich kommentiert. Es gibt reichlich Redebedarf unter Freunden - und über Freunde.
Auch Donald Trump stellt derzeit sein Kardinalskollegium zusammen. Und weil Amerika so groß ist (und nicht erst wieder groß gemacht werden muss), sind nicht 200, sondern volle 4.000 Posten neu zu vergeben. Da rollen auch Köpfe, die gar nicht rund sind. Ob es die neuen Ideen sind, die demnächst im Weißen Haus geboren werden, bleibt spannend. Zu Thanksgiving jedenfalls wünscht der designierte US-Präsident via Twitter allen Bürgern einen schönen Tag – "auch den Hassern und Losern".
Ansonsten wird es jeden Tag früher dunkel - Zeit der Götterdämmerungen. Frankreichs Ex-Präsident und Vorstadtreiniger Nicolas Sarkozy wurde überraschend aus dem republikanischen Wahlkampf gekärchert wie einst Napoleon bei Waterloo. Und Simbabwes Dauerregent Robert Mugabe muss mit 92 Jahren erkennen, dass er doch nicht wie Jesus Christus ist, um immer wieder aufzuerstehen. Immerhin: Mugabes Stellvertreterin auf Erden könnte eine Frau werden - seine Frau, Grace. Gnade.