Deutsche Stadtoberhäupter nehmen an Vatikan-Konferenz teil

Oberbürgermeister werben für Flüchtlingshilfe

Oberbürgermeister werben für Flüchtlingshilfe
Bild: Leonid Andronov/Fotolia.com

Oberbürgermeister deutscher Städte haben am Wochenende im Vatikan für Engagement in der Flüchtlingshilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit geworben. Die Stadtoberhäupter nahmen an einer Konferenz von mehr als 70 Bürgermeistern aus Europa und Nordafrika ­– darunter 21 aus Deutschland ­ teil. Das Treffen stand unter dem Motto "Europa - Flüchtlinge sind unsere Brüder und Schwestern". Am Samstag stand eine Audienz bei Papst Franziskus auf dem Programm.

"Man muss einen Geist von Toleranz und Humanität anbieten"

Der Oberbürgermeister von Würzburg, Christian Schuchardt (CDU), rief in seinem Wortbeitrag am Freitagabend die Teilnehmer dazu auf, für den Geist einer progressiven städtischen Gesellschaft einzutreten und "nicht für einen rückwärtsgewandten nationalen Geruch". Man müsse den Menschen einen neuen Geist von Toleranz und Humanität in Freiheit anbieten. Kein Bürgermeister rufe nach Flüchtlingen, aber die Städte müssten mit der Situation zurechtkommen. Er verwies auf das Engagement der rund 2.000 Ehrenamtlichen in Würzburg. Es gebe auch keine Alternative, als in der Integration erfolgreich zu sein, so der CDU-Politiker. "Ich habe gelernt, dass wir Bürgermeister verantwortlich für den Frieden in unseren Städten sind", sagte er. "Unsere Worte haben Gewicht." Worte könnten Frieden stiften, aber auch Feuer legen.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) sprach am Samstag. In einem vorab verbreiteten Statement heißt es, Europa dürfe nicht der Versuchung der Abschottung und Isolation und des Wegschauens erliegen. Stattdessen müsse man aktiv für eine gute Entwicklung in Afrika und weltweit arbeiten. "Dazu gehört eine faire Landwirtschaft, die auch dem afrikanischen Kontinent eine Chance gibt, faire Handelsbeziehungen mit fairen Preisen für Rohstoffe und Waren aus Afrika sowie europäische Investitionen in Bildung und Infrastruktur in Afrika."

Themenseite: Auf der Flucht

Die Flüchtlingskrise fordert Staat, Gesellschaft und Kirchen mit ganzer Kraft heraus. Auch die katholische Kirche in Deutschland engagiert sich umfangreich in der Flüchtlingsarbeit. Weitere Informationen dazu auf der Themenseite "Auf der Flucht".

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Gerade Deutschland als reiches Land in Europa könne hier viel leisten, so der SPD-Politiker. Dies gelte nicht nur für den deutschen Staat. "Auch die deutschen Städte sollen Entwicklungshilfeprojekte von Mensch zu Mensch, von Stadt zu Stadt organisieren." Er wolle in Fürth den Fairen Handel vorantreiben sowie Entwicklungspartnerschaften mit Afrika aufbauen.

Müller: Ein Europa nach Franziskus' Vision ist möglich

Bereits am Freitag hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) für eine bessere Integration von Flüchtlingen und für Kooperation zwischen den Kommunen geworben. Ein gerechtes und humanes Europa nach der Vision von Papst Franziskus sei möglich, "wenn wir weniger Energie in die Abschottung investieren und uns gemeinsam für einen humanen Umgang mit den Geflüchteten stark machen", sagte er.

Müller warb für das europäische Städtenetzwerk, in dem sich mit Berlin unter anderem Amsterdam, Athen, Barcelona, Helsinki und die EU-Generaldirektion zusammengeschlossen haben. Integration nannte er "eine Aufgabe, die uns noch viele Jahre fordern wird". Zugleich liege darin eine "Chance, den Hetzern, den Nationalisten und den immer stärker werdenden Populisten Einhalt zu gebieten". Diese böten keine Lösungen, sondern wollten "Arme gegen noch ärmere Menschen ausspielen", so Müller.

Angesichts des Leidens etwa in Aleppo müsse eine europäische Solidarität "eine Selbstverständlichkeit" sein, sagte Müller. Humanität und Empathie habe allen zu gelten, "ganz gleich, ob sie Christen, Muslime oder Juden sind". Müller erinnerte seine Amtskollegen dabei an die Geschichte des Mauerfalls: Damals hätten sich "alle geschworen, an einer Welt ohne Mauern und Stacheldraht zu bauen". (kim/KNA)