"Eier, wir brauchen Eier!", ist ein zum geflügelten Wort gewordener Ausspruch des Münchner Fußballorakels Oliver Kahn. Gleich mit 10.000 Ostereiern ist Moskau in dieser männlichen Disziplin weit vorne dabei. Freiwillige haben sie bemalt, Patriarch Kyrill segnet sie, anschließend werden sie verteilt. Kein Vergleich mit dem glaubensschwachen Großbritannien, wo der Veranstalter Ostern so lieblos aus der jährlichen Wohltätigkeits-Ostereiersuche entfernt haben soll wie der Brite an sich sein Land aus der EU. Immerhin: Die britische Premierministerin und anglikanische Pfarrerstochter Theresa May meldete sich aus dem fernen Riad zu Wort, damit die Eier Ostereier bleiben – mit Erfolg. Ans gottlose "Join the Cadbury Egg Hunts" wurde mittlerweile "this Easter" angefügt. Ein großer Sieg für's Abendland wurde da in Saudi-Arabien errungen.
Das künftige Herrscherpaar des Vereinigten Königreichs war derweil in Rom. Während bei den vorigen Besuchen schlichtes Schwarz die jeweilige Prinzengemahlin und Königin zierten, frohlocken nun die kirchlichen Modeblogger: Vorbei die Zeit der schwarzen Kleider und Spitzenschleier, die das Protokoll noch zur Amtszeit Benedikts vorgesehen hatte. Unter dem Argentinier, ebenso bodenständig (schwarze Schuhe, sicher nicht von Prada) wie reformfreudig (die Ehe für alle (Piusbrüder) kommt!), scheint der gestrenge Dresscode zu bröckeln. Makulatur ist der "privilège du blanc", die Erlaubnis, in Weiß dem ebenso weißgekleideten Papst die Schau zu stehlen. Nur sieben ausgewählte katholische Herrscherinnen durften das bisher. Camilla, als (nicht katholische) Herzogin von Cornwall nicht unter diesen erlauchten sieben, wählte dennoch für ihren Besuch ein geschmackvolles helles Ensemble aus Kleid und Mantel der von ihr geschätzten britischen Modeschöpferin Anna Valentine in zarten Gold- und Offwhite-Tönen. Très chic!
Bleiben wir bei Stilikonen. Der emeritierte, aber immer noch tadellos gekleidete (keine rote Schuhe mehr, angeblich nie von Prada) Papst Benedikt XVI. wird an Ostern 90 – und alle gratulieren schon jetzt. Gefeiert wird dieses Mal nicht groß: Ein paar Gebirgsschützen und der bayerische Ministerpräsident, das muss reichen. Geschenke gibt's trotzdem. Besonders beliebt: Bücher und neue Ehrbezeichnungen. Der Titel seiner Festschrift, "Mitarbeiter der Wahrheit", Benedikts Wahlspruch schon aus Ratzinger-Zeiten, ist da noch das geringste. Ein schnöder Doctor honoris causae wird dem Jahrhunderttheologen nicht gerecht. Gleich ein Doctor ecclesiae universalis muss es laut Erzbischof Georg Gänswein sein: Für ihn ist Benedikt schon jetzt ein Kirchenlehrer vom Kaliber eines Apostels Paulus. Und wer weiß – vielleicht wird Benedikt auch bald Ko-Erlöser … Nein, halt, das war dann doch jemand anderes.