Am Samstag soll die diesjährige Initiative mit einem Gottesdienst in Erfurt eröffnet werden. Die Feier leiten die stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Norbert Trelle (Hildesheim) und Landesbischof Jochen Bohl (Dresden).
Allerdings: Fragt man Beobachter und Beteiligte, räumen sie ein, dass die "Woche für das Leben" an Dynamik verloren hat. Die anfangs sehr erfolgreiche Themenkampagne ist seit einigen Jahren kein Selbstläufer mehr. Das Medieninteresse ist stark rückläufig. Zudem gibt es interne Debatten um Ziel und Ausrichtung der Aktion, die 1991 von Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken begründet wurde und seit 1994 auch von der EKD getragen wird.
Lustloses Programm
Das Programm 2014 wirkt etwas lustlos: Gab es früher umfangreiche Themenhefte mit Informationen und Stellungnahmen etwa zu Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik, Abtreibung oder der Integration Behinderter, wirkt die Kampagne diesmal weniger ambitioniert. Unter dem Leitwort "Herr, Dir in die Hände" werden Kirchengemeinden eingeladen, bis zum 10. Mai ökumenische Gottesdienste zu feiern, die schwerpunktmäßig die Thematik "Anfang und Ende des Lebens" ansprechen. Anstelle eines Themenheftes wird den Gemeinden ein Mustergottesdienst angeboten.
Norbert Trelle ist Bischof von Hildesheim.
Entstanden ist die "Woche für das Leben" auf dem Höhepunkt der politischen Diskussion um eine Neufassung des Paragrafen 218 Anfang der 1990er Jahre. Der damalige Bischofskonferenzvorsitzende, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, wollte die kirchliche Position eines ganzheitlichen Lebensschutzes besser in der Öffentlichkeit vermitteln. Inzwischen ist das Thema Abtreibung weitgehend aus der Debatte verschwunden.
Andererseits gibt es aktuell genügend heiße Eisen: Erst am Dienstag haben die Spitzen der Regierungskoalition einen Fahrplan für Regelungen zum Thema Suizidbeihilfe festgelegt. Bis zum Herbst 2015 soll ein Gesetz beschlossen werden. Zwar sieht es derzeit so aus, als ob eine große Mehrheit der Bundestagsabgeordneten dafür ist, dass nicht nur die auf Gewinn ausgerichtete, sondern jegliche organisierte Form der Beihilfe zur Selbsttötung verboten wird. Allerdings: In Umfragen sprechen sich deutliche Mehrheiten der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe oder Beihilfe zum Suizid aus. Auch unter Medizinern gibt es starke Kräfte, die sich für eine Liberalisierung des ärztlichen Standesrechts aussprechen und eine ärztliche Beteiligung am Suizid ermöglichen wollen.
Heißes Eisen Inklusion
Die Kirchen sind bei diesem Thema ziemlich einig: Sowohl die katholischen Bischöfe als auch die EKD haben sich wiederholt dafür ausgesprochen, jegliche Form organisierter Beihilfe zum Suizid unter Strafe zu stellen. Aktive Sterbehilfe lehnen beide ab. Andere Akzente setzen Kirchenvertreter höchstens, wenn es um extreme Einzelfälle geht. 2012 hatte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider erklärt, Sterbehilfe durch nahestehende Personen sollte in engen Grenzen zulässig sein.
Ein heißes Eisen nicht nur in Nordrhein-Westfalen ist auch die Inklusion behinderter Kinder in Regelschulen. Beide Kirchen haben wiederholt darauf gedrungen, dass beim Umbau des Schulwesens in Richtung auf mehr Inklusion die Qualität der sonderpädagogischen Förderung gesichert und weiterentwickelt werden müsse.
Sowohl der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider als auch der katholische Schulbischof Hans-Josef Becker betonten, gemeinsamer Unterricht an sich sei noch kein guter Unterricht. Notwendig seien die Qualifizierung aller Lehrkräfte, eine ausreichende Versorgung mit sonderpädagogischem Personal sowie die Arbeit in multiprofessionellen Teams. So könne möglichen Ängsten vor einem Absinken des Unterrichtsniveaus begegnet werden.
Von Christoph Arens (KNA)