Ein satirischer Wochenrückblick von Alexander Brüggemann

Das Glaskinn der Bischöfe

Das Glaskinn der Bischöfe
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

War das nicht eine echte Klopperwoche? Als erster ging "Dr. Steelhammer" Wladimir Klitschko gegen seinen jungen Nachfolger Anthony Joshua gleich mehrfach und dann endgültig zu Boden. Götterdämmerung für den osteuropäischen Riesen. Joshua zeigte eindrücklich, was der Handschlag eines Briten in Europa anrichten kann – und wies seiner Premierministerin  damit gleichsam einen symbolischen Weg.

Theresa May stand nicht an, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dann ihrerseits zu zeigen, wo der Hammer hängt. Der kam ähnlich zersaust wie Klitschko von seiner Reise nach London zurück. Und May legte nach: Brüssel wolle nicht, dass der "Brexit" ein Erfolg werde. "Wenn die Brüsseler Bürokraten uns überrennen, werden wir die Chance verpassen, hier eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen."

Klingt nach einem schmutzigen Brexit – und nach genau jenem blanken Wahlkampf-Populismus, wie ihn die nationale Frontkämpferin Marine Le Pen zeitgleich noch einmal voll in die letzte Runde ihres WM-Kampfs gegen Emmanuel Macron warf.

Nachdem Le Pen zuvor so scham- wie folgenlos eine Rede ihres gescheiterten bürgerlichen Antipoden Francois Fillon abgekupfert hatte, lieferte sie im TV-Duell am Mittwoch dem Mittelgewichtler Macron einen wüsten Schlagabtausch, krawallig, polemisch, hässlich. Die Rechtsauslegerin warf ihrem jungen Herausforderer vor, er wolle die Franzosen der Masseneinwanderung ausliefern. Frankreich werde am Ende "so oder so von einer Frau regiert - entweder von mir oder von Frau Merkel", höhnte sie.

Macron, auch nicht eben zimperlich, nannte Le Pen eine "Hohepriesterin der Angst", der Verfälschungen und der Lügen. "Sie leben davon, Sie sind deren Parasit!" So weit, so unfein. Bedenklich stimmen muss aber das Schweigen der katholischen Bischofskonferenz.

Während sich Frankreichs Juden, Muslime und Protestanten klar gegen die Rechtspopulistin positionierten, eierten die katholischen Hirten mit Vokabeln wie "heikel", "nicht unsere Aufgabe" etc. herum. Währenddessen ergab eine Umfrage, dass – nach 44 Prozent für Fillon im ersten Wahlgang – nun 46 Prozent der Katholiken für Le Pen stimmen wollten.

Der Verdacht des Taktierens liegt nahe: Die Bischöfe wollen es sich nicht mit dem rechten Flügel verscherzen. Ein Versagen – unter dem Deckmantel parteilicher Neutralität. Mit der Freiheit spielt man nicht, meine Herren! Ich würde von meinem Bischof erwarten, dass er mit in den Ring steigt, wenn ein AfD-Kandidat in der Stichwahl zum Bundeskanzleramt stünde.

Und was war noch? Eine ganze Menge Elefantenrunden, die einem in der Summe den ganzen Ernst der Weltlage vor Augen führen können. Merkel erst bei Putin - der Worte wie "Menschenrechte" immerhin über sich ergehen lässt. Dann Merkel bei den Saudis - die den denkbar rückwärtsgewandtesten Islam finanzieren, der sich denken lässt, aber immer noch als "Stabilitätsgaranten" hofiert werden.

Dann Erdogan bei Putin. Gipfeltreffen lupenreiner Demokraten. Ziemlich beste Freunde II – bis dann wieder einer einen Flieger des anderen vom Himmel holt. Und Trumps 100-Tage-Bilanz mit einem fetten Lob für seinen philippinischen Kollegen Duterte. Zur Erinnerung: Das ist der, der im Hauptberuf Todesschwadronen losschickt, um außergerichtlich mögliche Drogendealer und –konsumenten hinzurichten.

Die Schwergewichtskämpfe werden immer brutaler. Wehe dem, der mit Glaskinn am Ringrand stehen bleibt.

Alexander Brüggemann