Der Bundestag sagt "Ja, ich will". Und schon ist für die Kanzlerin aus einem kleinen Flirt mit der "Brigitte" (Montag) die Option erwachsen, Brigitte nun auch zu heiraten (Freitag). Vom ersten Date zur "Ehe für alle" in nur fünf Tagen. Ob man sich nicht erst einmal besser hätte kennenlernen sollen? Die deutschen Bischöfe sehen das ähnlich und nennen die Entscheidung "überstürzt". Schließlich machen sie sich seit der Familiensynode für eine qualitativ wie quantitativ aufpolierte Ehekatechese stark.
In ihrer Wortwahl hätten die Bischöfe in der Debatte zur "Ehe für alle" – sie schwankte zwischen filigranem Florettfechter und dröhnender Dampfwalze – nicht unterschiedlicher auftreten können. Trotzdem gehen die Oberhirten irgendwie gestärkt aus ihr hervor. Warum? Weil sie endlich mal wieder alle einer Meinung waren. Und das kommt schließlich selten genug vor. Also: Glückwunsch an die Bischöfe! Und Glückwunsch an die "Ehe für alle"! Wer auch immer diese alle in Zukunft sein mögen: Hauptsache die zwei (oder drei oder fünf?) lieben sich…
Kommen wir vom Ehe- zum Bischofsplagiat. Eigentlich ist Markus Ramolla als Gärtnergehilfe irgendwie ja doch prädestiniert dafür, das Wort Gottes auszusäen. Doch stattdessen sät er Hass. Vor wenigen Tagen tat er das auf einer Pegida-Demonstration in München, indem er gegen den Islam hetzte. Was an sich schon eines Christen unwürdig ist, geschah dann noch ohne rechtmäßige Weihe, dafür aber im Bischofsgewand. Bereits seit einigen Jahren treibt der selbsternannte Wanderbischof sein (liturgisches) Unwesen. Meist in Form tridentinischer Messen. Bei so viel Real-Satire stellt sich die Frage: Was bleibt da noch für dieses "War's das"?
Zum Beispiel die Rechtsausleger von der Piusbruderschaft: Auch bei ihnen geht es um falsche oder richtige Weihen, wenn am Samstag in Zaitzkofen (hat zwar keinen eigenen Wikipedia-Eintrag, aber ein FSSPX-Priesterseminar) gleich zweifach geistlicher Nachwuchs erwartet wird. Frei nach dem Ausspruch "Erlaubt ist, was gefällt", zimmert man sich bei den Piusbrüdern nicht nur das eigene Weltbild, sondern gleich auch noch die eigene kirchliche Lehre mit – inklusive Weiheerlaubnis. Während Papa Francesco den bockigen Pius-Kindern auf weltkirchlicher Ebene noch in unermesslicher Güte entgegengekommen ist, schlägt Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer derweil schärfere Töne an. Hoffentlich bald auch mit Rückendeckung des Papstes. Denn dann bekommt Zaitzkofen eventuell doch noch einen Wikipedia-Eintrag (siehe oben). Mein Vorschlag für den ersten Satz: "In Zaitzkofen, Ortsteil des Marktes Schierling im Landkreis Regensburg, wurde den Piusbrüdern ihre Grenzen aufgezeigt."
Eine Grenze für angemessenes Verhalten im Gottesdienst hat derweil der philippinische Kardinal Luis Tagle gezogen. In der Messe habe die Begrüßung "Guten Morgen" nichts zu suchen, sagte er während einer Predigt zu seinen Mitbrüdern. Seine anschließende Begründung habe ich mir vorgemerkt, um künftig Bekannte und Verwandte im Alltag in Verlegenheit zu bringen. Einem "Guten Morgen" werde ich dann empört mit Tagles folgenden Worten begegnen: "Die Gegenwart Gottes in der Eucharistie ist doch genug!" Auf die verdutzten Gesichter bin ich gespannt. Amen.