Ein satirischer Wochenrückblick von Felix Neumann

Requiem für einen Wachhund?

Requiem für einen Wachhund?
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Die Lage am Tempelberg ist immer etwas verzwickt. Zum Glück gibt es ein paar Länder weiter den weisen Friedensfürsten Erdogan, der Licht ins Dunkel bringt und gute Ratschläge im Dutzend hat. So lobte der humanitäre Tausendsassa huldvoll die Entfernung von Metalldetektoren. Doch sei das nicht genug - Israel müsse endlich die Menschenrechte achten! Außerdem soll der kleine Staat auf eine Politik verzichten, die "sie selbst und die Welt in Brand setzen" würde. Potzblitz! Welche Ratschläge kommen wohl als nächstes aus Ankara? Denkbar wäre: Israels Soldaten sollen endlich aufhören, die Traditionsschützenkorps (Glaube, Sitte, Heimat!) der Palästinenser dadurch zu belästigen, dass sie sich ständig in deren Schussbahn werfen! Oder auch: Israelische Zivilisten mögen aufhören, mutwillig die Rohstoffversorgung des Hilfswerks Hamas durch die Detonation palästinensischer Chemikalien in Bussen und Restaurants zu verknappen!

Diesseits von Mittelmeer und Alpen, wo die Menschenrechte fast so hoch geachtet werden wie bei Erdogan, dem Friedensnobelpreisträger der Herzen, können wir uns zum Glück den wirklich wichtigen Fragen zuwenden. Etwa in der Thelologie: Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich, weiß die Christenheit seit Jahrtausenden. Aber ist er, der für unsere Sünden starb, auch wahres Tier und ebenso für Waldi, Rex und Minka gestorben? Denn lange wurde das Tier in der Kirche diskriminiert. Der Autor dieser Zeilen hat noch selbst erlebt, wie sein Pfarrer vor der Messe gestreng den Hirtenhund vor der Sakristei angebunden hat: "Du bleibst draußen, du hast keine Seele!" Womöglich lag er falsch. Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger jedenfalls will Tieren wenigstens eine ordentliche Beerdigung zukommen lassen.

Und das ist auch das mindesteste, musste doch die Tierwelt in dieser Woche bereits einen herben Verlust einstecken: Prälat Wilhelm Imkamp tritt als Wallfahrtsrektor von Maria Vesperbild zurück - und mit ihm droht nun auch das Ende der traditionellen Kleintiersegnung, für die der stets wohlgekleidete Prälat über die Grenzen seines Wallfahrtsorts hinaus bekannt war.

Allerdings braucht es dieser Tage (Zeichen der Zeit!) auch statt Kleintier- eher Wettersegen: Während Passau Hochwasser meldet, dörrt Rom in der Sonne - selbst der Vatikan musste die Brunnen abschalten. Bleibt zu hoffen, dass im derzeit laufenden vatikanischen Prozess um Luxusrenovierungen auf Kosten der Bambino-Gesu-Stiftung sich das Prophetenwort ausnahmsweise mal nicht erfüllt: Das Recht fließe wie Wasser (auf dem Petersplatz).

Um Flüssiges dreht sich auch eine neue drohende konfessionelle Spaltung, gegen die sich das unterschiedliche Eucharistieverständnis als Petitesse ausnimmt. Kaum macht katholisch.de mit einem XXL-Kelch für den Extraschluck Gemeinschaft auf, gibt es von evangelikaler Seite eine antiökumenische Spitze dagegen: "Die Katholiken haben XXL-Kelche? Dann machen wir Abendmahl in XXS!", dachte man sich bei idea.de und diskutierte - immerhin kontrovers, man ist ja Protestant - den Einzelkelch: Sola fides, sola gratia, sola winziges Schlückchen! Das hätt's bei Luther nicht gegeben.

Felix Neumann

Themenseite: War's das?!

"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren freitags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.

Zur Themenseite