Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Die Ein-Mann-Simultankirche

Die Ein-Mann-Simultankirche
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Wenn jeder einzelne Gläubige Kirche ist, dann ist Herbert Kessen Simultankirche. Denn der Katholik aus Niedersachsen will jetzt Protestant werden – ohne seine bisherige Konfession aufzugeben. Was das für die Inneneinrichtung seines Glaubens bedeutet, lässt er allerdings offen. Gibt es Marienfiguren, Kniebänke, geweihte Priester oder den Tabernakel in der Kessen-Kirche? Naja, den Jesus findet er jedenfalls super. Und bei Papst Franziskus kommen sich seine konfessionsverschieden "Ichs" sicher auch nicht in die Quere. Denn was so mancher Ultrakonservative längst weiß: Franziskus selbst ist ja ebenfalls mindestens halber Protestant.

Protestiert wurde auch in Wales – und zwar von einer Gruppe angehender Priester. Denn die wurden nun Opfer der in Europa weit verbreiteten Säkularisierungskrankheit, zu deren Symptomen auch religiöser Analphabetismus gehört. Herausgeputzt in feinster Soutane und Kollar wollten sich die jungen Männer in einen Pub in Cardiff gepflegt einen hinter die Binde kippen. Doch da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der warf die Herren kurzerhand raus, weil er sie für einen Junggesellenabschied in Verkleidung hielt. Bittersüße Ironie für die sieben Männer, die sich zu einem dauerhaften Junggesellendasein verpflichtet haben. Immerhin: Als der Fauxpas bemerkt wurde, gab es eine Runde Gratis-Bier. Und schon macht das Junggesellenleben wieder Spaß!

Vom eben diesem Leben verabschiedet hat sich ein katholisches Paar in Kanada. Was erst einmal so spannend wie die durchschnittliche Sonntagspredigt klingt, hat noch einen interessanten Wendepunkt: Die Trauung wurde nicht von einem Priester, sondern einer Ordensfrau geleitet. Schwester Pierrette Thiffault hat das jedenfalls so sehr Spaß gemacht, dass sie gerne bei weiteren Trauungen assistieren möchte. Hoffentlich bleibt es dabei und sie wechselt nicht die Seiten. Nach 55 Jahren Ordensleben könnte die eigene Hochzeit ja noch einmal eine Herausforderung sein!

Etwa zeitgleich dürfte irgendwo im Schweizerischen Ecône Erzbischof Marcel Lefebvre vor Empörung in seinem Grab rotiert haben. Da kämpfen seine Piusbrüder seit Jahren an diversen Fronten gegen Ungläubige, Homosexuelle und Frauen – und was ist der Dank dafür? Während die deutschen Bischöfe offiziell verkünden, dass Trauungen durch die Piusbrüder bei ihnen nicht vorgesehen sind, darf in Kanada gar Weibsvolk anwesend sein! Vielleicht ist es langsam Zeit, der katholischen Kirche den Rücken zu…ach…verdammt!

Ganz andere Sorgen haben die Anhänger der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters". Deren Wunsch nach Sonderrechten schmeckte dem Oberlandesgericht Brandenburg mal so gar nicht. Deshalb stellte es fest: Die Pastafaris sind keine Religionsgemeinschaft – und dürfen daher auch keine Schilder mit Verweis auf ihre Nudelmessen aufstellen. Das passt auch gut in den aktuellen Gesundheitstrend: Denn nur wer wirklich betet, lebt länger, wie eine neue Studie belegt. Kohlenhydrate sind dagegen tabu – und Eier sorgen neuerdings für Bauchschmerzen.

Björn Odendahl