Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Zug, abgefahren?

Zug, abgefahren?
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Na, in den vergangenen Tagen auch mal Deutsche Bahn gefahren? Meist bleibt es inzwischen ja beim Versuch. Jahrelange Misswirtschaft, marode Gleise und Uralt-Züge lassen Geschäfts- und Urlaubsreisen zwar zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Ans Ziel gelangt der Normalsterbliche allerdings nur noch selten. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum der "Schulz-Zug" nicht so recht ins Rollen kommen will. Wahrscheinlich steht der SPD-Spitzenkandidat irgendwo verloren in den Menschentrauben an einem der Service Points der DB, und versucht, sein Ticket ins Berliner Kanzleramt bis zum 24. September doch noch irgendwie einzulösen.

Es fährt ein Zug nach nirgendwo - und keiner da als Passagier. Stattdessen weiß-rote Absperrbänder mit der Aufschrift: "Klimaanlage defekt – Dieser Wagen darf nicht benutzt werden." Beförderung 2.0 – aber für’s Klima sind eh andere zuständig. In Bonn findet im November der nächste UN-Klimagipfel statt. Schon jetzt wird im alten Regierungsviertel der Rasen mit Plastik-und Holzplanken abgedeckt, es rasen Bagger und Laster von einem ehemals grünen Fleck zum anderen. Der CO2-Ausstoß: enorm. Die Natur: verriegelt und versargnagelt.

Gelder sind vorhanden. Bonn legt sich ins Zeug, um das Image aufzupolieren. Da ist zu verschmerzen, dass die Fensterscheiben der meist baufälligen Schulen in der Bundesstadt auch vor Beginn dieses Schuljahres wieder ungeputzt bleiben. Unser Kapital sind die Köpfe, aber investieren sollen bitteschön andere. Schließlich sehen die Industriekapitäne der Autobranche ja auch keinen Anlass, für das Dieseldesaster aufzukommen. Recht so. Wir fahr’n fahr’n fahr’n auf der Autobahn.

A propos Kraftwerk: Im belgischen Tihange und Doel gammeln Atommeiler vor sich hin, die mindestens so schrottreif sind, wie manche Waggons der Bahn. Nun wollen die deutschen Kommunen in der Grenzregion ihren Bewohnern Jodtabletten spendieren. Die einmalige Aktion soll, so heißt es, am 30. November enden. Danach dürfte nichts mehr anbrennen, klar.

Und damit zum Sport. Torwartlegende Toni Schumacher hält große Stücke auf psychologische Unterstützung beim Fußball und anderen Leibesertüchtigungen. "Die Seelendoktoren sind genauso wichtig wie die, die die Knochen wieder zusammenmachen."

Hirn zusammenmachen – so lautet das Gebot der Stunde. Und: den Kopf nicht hängen lassen. Das Leben, so formulierte es Papst Franziskus in einer Videobotschaft an junge Häftlinge in seinem Heimatland Argentinien, sei ein Geschenk, dass jeden Tag neu errungen werden müsse, um es zu bewahren. "Einen Haufen Probleme haben wir alle, aber dieses Geschenk hüten und lassen wir wachsen." Kleines Senfkorn Hoffnung.

Das war’s? Nicht ganz. Der Hashtag feierte zehnten Geburtstag, das #-Zeichen, mit dem in den Sozialen Netzwerken vermeintlich Wichtiges markiert wird. Die CDU hat für den laufenden Wahlkampf den Hashtag #fedidwgugl kreiert – „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. #WafüQ – „Was für‘n Quatsch“!

Joachim Heinz