Zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda hat Kardinal Reinhard Marx für eine weltoffene und lernbereite Kirche geworben. "Die Kirche weiß nicht alles", sagte er am Dienstagmorgen im Fuldaer Dom. Sie lehre nicht nur, sie lerne "auch im Mitgehen mit den Menschen" und müsse sich immer wieder erneuern, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz im Eröffnungsgottesdienst. Ihre Aufgabe sei es, inmitten der Welt für die Welt Zeugnis vom Reich Gottes zu geben.
Zugleich betonte Marx vor den deutschen Bischöfen, dass Kirche nicht nur auf das Lehramt reduziert werden dürfe. Die Kirche sollte nicht nur Texte fabrizieren, sondern müsse auch Zeichen setzen, etwa in Liturgie und Gebet, forderte er. Als Beispiel nannte Marx die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Der Münchner Erzbischof forderte eine "ganzheitliche Theologie" für die Kirche. "Theologie ist Leben, Gebet, Feier, das Setzen von Zeichen und das Reflektieren des Lebensweges der Kirche und der Menschen", so Marx. Es gehe hierbei um "ein Lernen in der Kirche, um die Lehre neu erwachsen zu lassen". Dieser Weg sei noch nicht zu Ende.
Die deutschen Bischöfe beim Eröffnungsgottesdienst im Fuldaer Dom.
Als Vorbild für eine kirchliche Erneuerung würdigte Marx Paul VI. (1963-1978), dessen Gedenktag die katholische Kirche heute begeht. Dieser Papst habe in überzeugender Weise geholfen, dass die unruhige Epoche des Zweiten Vatikanischen Konzils zu einer Zeit der Rezeption des Konzils geworden sei, die bis heute nicht beendet sei. "Für ihn war klar, dass die Kirche mitten in der Welt die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums leben und deuten muss", sagte Marx.
In der Predigt ermutigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz dazu, sich ein Beispiel an der Zeit des Konzils zu nehmen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. "Der große Impuls, Vertrauen und Wagnis in die Zukunft, ist etwas, was wir heute in dieser Zeitstunde der Kirche mitnehmen müssen."
Die deutschen Bischöfe tagen noch bis Donnerstag in Fulda. Themen sind unter anderem die bevorstehende Jugendsynode im Vatikan, Umweltschutz als Aufgabe der Kirche, die Flüchtlingsarbeit und Gefahren des internationalen Terrorismus. Die Bundestagswahl stand ursprünglich nicht auf der Agenda. Dennoch würden sich die Bischöfe auch über den Ausgang der Wahl austauschen, sagte Marx am Montag zum Auftakt der Vollversammlung. (tja/tmg)