Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

An das Volk

An das Volk
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

lassen Sie mich zuallererst den Menschen da draußen im Lande danken, die diesen Beitrag lesen. Sie haben diese Kolumne gewählt, weil sie Klartext hören wollen. Den sollen Sie bekommen, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Nein "nicht in die Fresse", geschätzte Genossinnen und Genossen. Sondern auf den Bildschirm.

Digital first -  Bedenken second. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist nicht nur die liberale Kern-Message. Das ist unser aller Lebens-Feeling. Ausdrücklich möchte ich mich an dieser Stelle dafür bedanken, dass Twitter – endlich! - die erlaubte Zeichenlänge von 140 auf 280 Zeichen anheben will. Doppelt soviel Digital first, doppelt soviel Bedenken second, doppelt so viel Nachdenken third. Crazy!

Das Ave Maria kann dann vollumfänglich verzwitschert werden. Probieren Sie‘s aus! Viel wichtiger aber: Wir, werte Wutbürgerinnen und Wutbürger, bekommen mehr Raum. Denn, liebe Schwestern und Brüder im Geiste, wir dürfen und wir wollen nicht warten, bis die vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Dutzenden anderen Organisationen geforderten Volksentscheide auf Bundesebene Wirklichkeit werden.

Mehr direkte Demokratie wagen – wir haben gesehen, zu welch grandiosen Ergebnissen Volkes Wille führen kann. Der Brexit – super Sache! Die geplante  Abspaltung Kataloniens von Spanien – dolles Ding! Da geht noch mehr. Stimmen wir’s ab. Und lassen wir uns von den Miesepetras und Miesepetern dieser Republik die Sache nicht madig machen.

Nur alle vier Jahre wählen gehen zu dürfen: Das ist in der Tat eine "Unterforderung der Bürger und der Demokratie", wie es BDKJ und Co. formulieren. Auch wenn bei der einen oder dem anderen von uns der Eindruck entstanden sein mag, dass bereits bei der jetzigen Wahl mindestens 12,6 Prozent am Rande der Überforderung standen.

Aber nun beschäftigen wir uns hier auch schon wieder mehr als die Hälfte der Sendezeit mit einem gärigen Haufen. Stattdessen, liebe Abendländerinnen und Abendländer, lassen Sie uns an dieser Stelle auch an jene denken, die ein Häufchen Elend sind. Die allein in einem frisch renovierten  425-Quadratmeter-Appartement in allerbester Lage ihr Dasein fristen. Und demnächst womöglich vor den Trümmern ihres Lebenswerks stehen.

Prozess hin oder her - Kardinal Tarcisio Bertone soll wissen: Er ist und er bleibt einer von uns!  Auch wir Pastorentöchterinnen und -töchter machen schon mal Deals unter Freunden, come on! Lassen Sie uns, liebe Bauherrinnen und Bauherren, das große Ganze im Blick behalten und dabei die kleinen Freuden des Alltags nicht vergessen.

Etwas "Nährendes" soll von jedem von uns ausgehen. Sagt Benediktinerpater und Bestseller-Autor Anselm Grün, der gerade ein Buch über das Brot herausgebracht hat. Etwas "Nährendes", liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, nicht etwas "Gärendes". Denken Sie darüber nach, nehmen Sie es mit in die kommende Woche, liken und vertwittern sie es. Für einen Sauerteig, in dem wir gut und gerne leben, yeah!

Joachim Heinz