Die Wiederbesiedelung von Kloster Neuzelle schreitet weiter voran

Keine Angst vor einem "Ätsch, war wohl nichts"

Aktualisiert am 15.10.2017  –  Lesedauer: 
Orden

Neuzelle ‐ Seit zwei Monaten leben wieder Mönche im brandenburgischen Neuzelle. Vier Zisterzienser prüfen eine dauerhafte Wiederbesiedelung des dortigen Klosters. Katholisch.de hat die kleine Gemeinschaft besucht.

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Wenn Helmut Fritsche über die Neugründung von Kloster Neuzelle spricht, erlebt man einen begeisterten Mann. "Es ist wie ein Geschenk Gottes, dass nach 200 Jahren wieder Mönche in Neuzelle leben", sagt Fritsche mit deutlich hörbarer Euphorie in der Stimme. Er habe nie zu träumen gewagt, so der 80-Jährige, dass eines Tages wieder Ordensleute in den kleinen Ort an der deutsch-polnischen Grenze ziehen könnten.

Fritsches Freude über die Wiederbesiedelung des Klosters wirkt absolut ehrlich – allerdings verbindet er mit dem Einzug der Mönche wohl auch handfeste ökonomische Interessen. Denn Fritsche ist Geschäftsführer der Klosterbrauerei Neuzelle. Seit er die traditionsreiche Braustätte in unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters 1992 übernahm, braut er dort Biere wie den "Schwarzen Abt" und das "Kloster Cell". Fritsche mag deshalb hoffen, dass der Neustart des Klosters dem Geschäft seiner Brauerei einen zusätzlichen Schub verleihen könnte.

Bier-Geld-Spende für den Kloster-Neustart

Wohl auch deshalb möchte der umtriebige Bierbrauer seinen aktiven Beitrag dazu leisten, dass die Rückkehr der Mönche nach Neuzelle keine kurze Episode bleibt. "Von jeder verkauften Flasche unserer Sonderedition 'Schwarzer Abt' spenden wir 20 Cent an das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken", verkündet Fritsche bei einer improvisierten Pressekonferenz auf dem Gelände seiner Brauerei. Von dem Hilfswerk, das sich für Katholiken in der Diaspora einsetzt, soll das Geld dann – so die Absprache unter den Beteiligten – an das Kloster fließen und dessen weitere Entwicklung fördern.

Bild: ©katholisch.de

Vorstellung der Sonderedition "Schwarzer Abt" der Klosterbrauerei Neuzelle mit Mönchen des Klosters, Vertretern der Brauerei und einer Mitarbeiterin des Bonifatiuswerks.

Die Episode auf dem Gelände der Brauerei zeigt: Die vier Zisterziensermönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz, die seit Ende August in Neuzelle leben, werden mit offenen Armen in der kleinen Gemeinde empfangen. "Wir spüren bei der örtlichen Bevölkerung eine große Freude über den Neubeginn des Klosters", bestätigt Pater Simeon bei einem Gespräch. Er ist der Prior der kleinen Gruppe, zu der außerdem die Patres Aloysius Maria, Kilian und Philemon gehören. Die vier Mönche prüfen seit ihrer Ankunft unter Alltagsbedingungen eine dauerhafte Wiederbesiedelung der brandenburgischen Abtei. Konkretes Ziel ist die Gründung eines von Heiligenkreuz abhängigen Priorats mit dann acht Brüdern im September kommenden Jahres.

"Wir befinden uns immer noch in einem Prozess des Ankommens", sagt Pater Kilian mit Blick auf die ersten Erfahrungen in der neuen Umgebung. Natürlich: Seit ihrer Ankunft singen die Mönche täglich in der Neuzeller Stiftskirche St. Marien die "Liturgia Horarum". Das monastische Stundengebet beginnt gewöhnlich mit den Vigilien um 5 Uhr morgens und endet mit der Komplet abends um 20 Uhr.

"Seid ihr Nonnen ohne Schleier?"

Doch über die Gebetszeiten hinaus fehlt noch die aus Heiligenkreuz gewohnte Routine. Das erlebt vor allem Pater Alyosius Maria, der für den Haushalt der Gemeinschaft zuständig ist. "Wir kommen aus einer großen Gemeinschaft, wo alles genau geregelt war. Hier müssen wir dagegen erst eigene Abläufe einüben", so der junge Allgäuer. Aloysius Maria ist der Koch des Konvents und fährt als solcher auch regelmäßig zum Einkaufen in den Ort – natürlich im schwarz-weißen Habit seines Ordens. Dabei bekomme er weit überwiegend positive Reaktionen zu spüren, auch wenn das Ordensgewand für viele Menschen in der Region völlig fremd sei. "Einmal hat mich ein junges Mädchen gefragt: 'Seid ihr Nonnen ohne Schleier?'", erzählt er mit einem Schmunzeln.

Pater Kilian nennt die ersten Wochen in Neuzelle eine "Zeit der Vorbereitung". Es gehe vor allem darum, richtig anzukommen, notwendige Absprachen zu treffen und Probleme zu lösen. Das größte Problem ist zurzeit die Frage, wo die Mönche auf Dauer leben sollen. Noch wohnen die vier Patres im katholischen Pfarrhaus nur wenige Meter von der Klosterkirche entfernt – eigentlich ein idealer Standort, doch auf Dauer ist das Haus zu klein. "Hier können maximal acht Personen wohnen. Dann ist der Platz aber ausgereizt", sagt Pater Kilian.

Bild: ©katholisch.de/stz

Blick auf die Klosteranlage in Neuzelle.

Eine Lösung des Problems muss gemeinsam mit der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle gefunden werden, in deren Besitz sich die Klosteranlage befindet. Verschiedene Gespräche haben bereits stattgefunden, das nächste Treffen ist für November anvisiert. Dann wollen die Mönche gemeinsam mit der zuständigen brandenburgischen Kulturministerin Martina Münch (SPD) und dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erneut nach einer Lösung suchen.

Ipolt hofft noch vor Weihnachten auf Klarheit

Bischof Ipolt, der die Wiederbesiedelung des Klosters durch eine entsprechende Anfrage an Heiligenkreuz überhaupt erst initiiert hatte, hat bereits klare Vorstellungen über den künftigen Wohnort der Mönche: "Mein Ziel ist es, dass der Konvent auf dem Klostergelände bleiben kann", so der Oberhirte. Nach Möglichkeit solle bis Weihnachten in dieser Sache eine "gewisse Klarheit" erreicht werden. Unrealistisch scheint das nicht zu sein, immerhin macht Ipolt klar, dass Ministerin Münch dem Projekt der Wiederbesiedelung weiter sehr wohlwollend gegenüber stehe.

Das bestätigt auch Pater Simeon. Auf allen Ebenen sei ein großes Bemühen zu spüren, den Neustart des Klosters zu einem Erfolg zu führen, so der gebürtige Rheinländer, der aber auch Verständnis für manche Unsicherheiten in der Bevölkerung und der Stiftung äußert: "Natürlich ist das für alle Beteiligten erstmal eine Herausforderung, dass hier plötzlich wieder Mönche leben." Dennoch denken er und seine Mitbrüder nicht an ein Scheitern des Projekts. Zwar habe es bei Gründung von Klöstern in der Geschichte immer wieder auch Enttäuschungen gegeben. "Ich glaube aber nicht, dass der liebe Gott uns hier in Neuzelle zwei Jahre eine Wiederbesiedelung prüfen lässt und dann sagt: 'Ätsch, war wohl nichts'".

Von Steffen Zimmermann