Puh, ist mir schlecht. War das der Glühwein oder doch die vielen Umfragen in der Vorweihnachtszeit? Demnach steht Weihnachten aber mal so was von im Abseits, dass es nicht einmal einen Videobeweis braucht. Also das kirchliche Weihnachten. Das mit diesem Jesus. Sie erinnern sich? Gesoffen, gefressen und geschenkt wird dagegen noch immer gerne. Es ist wie mit dem Tanz um das goldene Kalb – nur mit Sauerbraten, Rotkohl und Klößen. Weihnachtliche Völlerei wird zur Religion: "Du bist Petrus, auf diesem Dominostein werde ich meine Kirche bauen."
Wobei die Umfrage-Zahlen natürlich dramatischer sein könnten. Laut BILD kommen angeblich noch 36 Prozent aller Katholiken in Deutschland in den Weihnachtsgottesdienst. Das sind exakt 8.489.357,64 Menschen. Kommasechsvier ist übrigens Norbert Blüm. Und im Vergleich zu den Katholiken, die sich an die kirchlichen Verhütungsregeln halten, ist es eine geradezu exorbitant hohe Zahl.
Während die ansonsten leidgeplagten Kirchenvertreter schon die Sektkorken haben knallen lassen, um mit trockenen 12 Prozent auf die noch immer süßen 36 Prozent anzustoßen, folgt die nächste Umfrage-Hiobsbotschaft: Den Deutschen reicht demnach einmal Weihnachten im Jahr. Die Krankenkassen wird es freuen. Fett genug sind wir Deutschen ja sowieso schon. Den Bischöfen bleibt dagegen der petrinische Dominostein im Halse stecken. Dahin der Plan, jede Woche Weihnachten zu feiern, um die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher zu verdreifachen. Und auch "Last Christmas" wird weiterhin nur gefühlte sechs statt zwölf Monate im Radio laufen.
Was dagegen nicht mehr im Radio läuft, ist das Radio selbst. Also Radio Vatikan. Wer hätte gedacht, dass auf Kurzwelle ausgestrahlte Gottesdienste auf Latein kein Erfolgskonzept sind? Ich jedenfalls nicht. Stattdessen hat der Papst pünktlich zu seinem 81. Geburtstag ein neues Verlautbarungsorgan bekommen: "Vatican News". Das Corporate Design ist ein rot-weißer Augenschmaus, der die Farben des Vatikan widersp… Ach, Moment. Naja, ist ja zum Glück erst die Beta-Version.
Den Papst interessieren solche Äußerlichkeiten aber sowieso nicht, wie er kürzlich verraten hat. Schließlich kommt es auf die inneren Werte an. Den Blick in den Spiegel vermeidet der Pontifex nach eigenen Angaben. Wahrscheinlich fürchtet er aber nur die einzig mögliche Antwort auf:"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der schönste Papst im ganzen Land?" Nämlich: Benedikt XVI.!
Der lacht sich derweil in Santa Marta ins Fäustchen ob seiner Weitsichtigkeit, den undankbaren Job des Papstes abzugeben. Jahr für Jahr gießt Franziskus die zarten Pflänzchen, aus denen später einmal wieder das Vertrauen in die Institution Kirche erwachsen soll, nur damit ihm Priester, Bischöfe und Kardinäle blindlings durchs Blumenbeet latschen. Da kann einem schon mal der Priesterkragen platzen. In Rom Reformen umzusetzen, sei wie die Sphinx mit einer Zahnbürste zu reinigen, sagte er bei seiner Weihnachtsansprache. Mein Weihnachtspaket für den Papst ist daher bereits geschnürt und abgeschickt: ein Kärcher-Hochdruckreiniger.