Mit Erzählungen aus den Notzeiten des 20. Jahrhunderts hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner versucht, rund 600 Schülern das Geheimnis der Eucharistie zu erklären. Er berichtete von den heimlichen Messfeiern verfolgter Katholiken in Konzentrations- und kommunistischen Umerziehungslagern. "Die Eucharistie ist das wertvollste, was Jesus uns hinterlassen hat", betonte Meisner und erinnerte an seine Erfahrungen in der frühen Nachkriegszeit in der DDR. Damals sei er jeden Sonntag acht Kilometer zu Fuß zur Messe gegangen.
Der aus dem Griechischen stammende Begriff Eucharistie bedeutet Danksagung. Eine Eucharistiefeier erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat. Nach katholischer Überzeugung wird durch eine Wandlung von Brot und Wein Christus selbst in der Eucharistiefeier gegenwärtig.
Jugend hat kein Freibrief für verantwortungsloses Verhalten
Die Jugendlichen ermahnte Meisner, zu beten, regelmäßig und pünktlich zur Messe zu kommen und alle drei Monate zu beichten. Beim Beten sollten sie den Verstand "vom Kopf ins Herz" umleiten. Meisner betonte, jugendliches Alter sei kein Freibrief für verantwortungsloses Verhalten auf Probe. Die überwiegend weiblichen Zuhörer der Katechese kamen aus den neunten Klassen mehrerer katholischer Schulen des Erzbistums Köln.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann stellte die Kirche als Ort der Gemeinschaft in den Mittelpunkt. "Kirche kann Heimat bieten", sagte Ackermann vor rund 400 Schülern. Gerade in Zeiten, in denen der Heimatbegriff insbesondere bei Jugendlichen oft nur eine vage Idee sei, könnten Menschen aller Altersklassen im Raum der Kirche Gemeinschaft finden. Nichtsdestotrotz sei klar, dass die Kirche heute nur eine Option von vielen sei, gerade für junge Menschen. "Es ist ein Markt der Möglichkeiten", so der Bischof. Kirche müsse sich auf diesem Markt präsentieren.
Kardinal Joachim Meisner bei einer Pressekonferenz zum Eucharistischen Kongress.
Mit Blick auf die Ökumene sagte der Bischof, gerade bei der Eucharistie sei ein Zusammentreffen von evangelischen und katholischen Christen weiterhin nicht möglich. In den vergangenen Jahren habe es jedoch deutliche Fortschritte gegeben und er erwarte, dass es zu weiteren Annäherungen kommen werde.
Auch Kardinal Karl Lehmann hat zu Geduld in der Ökumene aufgerufen. Niemand könne voraussagen, wann ein gemeinsames Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen möglich sei, betonte der Mainzer Bischof. In den zurückliegenden 50 Jahren seien große Fortschritte erzielt worden – "und so viel fehlt eigentlich gar nicht". Beim Verständnis über die Kirche müsse aber noch miteinander gerungen werden.
Lehmann vergleicht die ökumenischen Bemühungen mit einer Bergtour
Lehmann verglich die ökumenischen Bemühungen mit einer Bergtour. Die Kirchen stünden am letzten Steilhang kurz vor dem Gipfel. Der Kardinal bekundete die Sorge, dass nun die Kraft zum Weitergehen schwinde. Wenn man sich verlaufe und es Rückschläge gebe, sei jedoch neu anzusetzen. "Die Gemeinschaft im Herrenmahl und die Kirchengemeinschaft dürfen nicht zerrissen werden", sagte Lehmann. Die Eucharistiefeier verbinde eine Gottesdienstgemeinde mit der gesamten Kirche.
Der Dresdner Bischof Heiner Koch traute sich auch, die Verfehlungen der katholischen Kirche anzusprechen: Sie sei "zu keiner Zeit perfekt gewesen". Die Kirche sei schwach, "weil ihr da drin seid und ich da drin bin", sagte Koch mit Blick auf die Jugendlichen. In der Kirchengeschichte habe es damals wie heute Skandale gegeben. Der Bischof ermunterte dazu, die Kirche als Glaubensgemeinschaft wahrzunehmen, die sich ständig verbessern wolle. Im Vergleich dazu sei die Kirche als Institution und Ordnung zweit- und drittrangig, so der frühere Kölner Weihbischof. (bod/KNA)