Jetzt geht es gefühlt erst richtig los. Drei Tage sind vorbei, wir starten in den vierten Tag. Die letzten Tage haben wir in einer internationalen Gruppe die Fragen für die Jugendsynode besprochen. In 20 Sprachgruppen in Rom wurden 15 Fragen dazu intensiv beantwortet und in wenigen Seiten zusammengefasst. Gleichzeitig wurden die Ergebnisse in sechs Facebook-Gruppen ebenso zusammengefasst. Also insgesamt 26 Gruppen, weltweit beteiligten sich ungefähr 15.000 Personen. Synodale Kirche – greifbar. Und auch ein guter Ansatz, wie soziale Medien zur Beteiligung verwendet werden.
Wir arbeiten heute an einem Dokument, dass "die Jugend weltweit" für die Bischöfe im Oktober begreifbar machen soll. Die Lebenswelt aller jungen Menschen soll dargestellt werden, die Wahrnehmung der Kirche durch sie sowie ihre Wünsche an die Institution. Weltweit, katholisch, gläubig wie ohne Glauben. Das Ergebnis heute Morgen: sieben Seiten in englischer Sprache. Der erste Gedanke: Wow, ist das möglich, so viele junge Menschen in einem so kurzen Text abzubilden? Das Dokument ist ein wirklich guter erster Aufschlag, an dem hervorragend weitergearbeitet werden kann. Die Redaktionsgruppe hat die Nacht durchgearbeitet, um vorlegen zu können, wofür ich sehr dankbar bin. Für das Papier hat es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Kritik und Lob
Im Plenum wird das Dokument vorgelesen, die Grundzüge vorgestellt. Es ist spannend, wie manche Themen alle Gruppen beschäftigt haben, andere Themen anscheinend eher vereinzelt vertreten waren. Natürlich scanne ich das Dokument: Über Geschlechtergerechtigkeit lässt sich da bestimmt noch besser sprechen. Auch der Umgang mit Menschen, die nicht nach der gängigen kirchlichen Vorstellung leben, soll vorkommen. Ein wichtiger Punkt ist auch noch nicht so ausgeprägt: die Schwierigkeiten für junge Menschen, die sie nachhaltig in der Entwicklung beeinträchtigen – Klimawandel, Krieg, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Hier müssen auch unangenehme Fragen gestellt werden: Welche Verantwortung hat die Kirche, welche Möglichkeiten kann sie jungen Menschen geben, für Frieden und Gerechtigkeit zu wirken?
Jeder kann einen Kritikpunkt und ein Lob anbringen – es ist ein gemischtes Bild, das die Leute bewegt. Ich werbe für ein positives Bild von Technologie und Internet und dafür, junge Menschen auf der Welt immer wieder zusammenkommen zu lassen.
Das aktuelle Dokument ist ein guter Grundstein, der neben den vielen gemeinsamen Herausforderungen und Schwierigkeiten auch die Unterschiede andeutet, mit denen junge Menschen in der Kirche konfrontiert sind – und sie ebenso bereichern. Dazu kommen die berechtigten Anliegen der jungen Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen, mit denen sich Kirche auseinandersetzen muss, um Begleiterin zu sein.
Es freut mich, dass grundsätzlich alle Beteiligten in eine Richtung denken: Kirche muss jungen Menschen einen Raum zum eigenen Gestalten und Wirken ermöglichen. Und mit den 300 Menschen hier wird dieser Raum ein bunter sein.
Zum Autor
Thomas Andonie ist seit 2017 Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Bei der Vorsynode ist er einer von zwei Jugendvertretern der Deutschen Bischofskonferenz.