Auf Rang 1 ist seit inzwischen zwölf Jahren Nordkorea , wo laut Open Doors auch unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un der Besitz einer Bibel mit der Todesstrafe oder Arbeitslager für die gesamte Familie geahndet wird. Danach folgt ein afrikanisches Land südlich der Sahara: das muslimisch geprägte Somalia. Dort herrsche eine strenge Überwachung, um die wenigen Christen – meist Konvertiten – aufzuspüren und häufig auch zu töten, schreibt das Hilfswerk in seiner Begründung. Auf Rang 4 steht der Irak, gefolgt von Afghanistan, Saudi-Arabien, den Malediven, Pakistan, dem Iran und dem Jemen.
"Hauptquelle für Verfolgung islamischer Extremismus"
Das dem evangelikalen Netzwerk der Evangelischen Allianz nahestehende Hilfswerk schätzt, dass weltweit rund 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Als Hauptquelle für die Verfolgung von Christen sei in 36 von 50 Ländern der islamische Extremismus erkennbar: "Leider sehen wir derzeit kein Ende der länderübergreifenden Ausbreitung eines extremistischen Islam mit einer massiven Verfolgung und Vertreibung der christlichen Minderheit", resümiert Markus Rode, der Leiter von Open Doors Deutschland, die Lage.
Eine Christ in Pakistan demonstriert für seine Rechte.
Die Top-50-Liste seiner Organisation zeigt Probleme und Details auf, die in Deutschland kaum bekannt sind. So auch im Fall Syrien : Für den Berichtszeitraum von November 2012 bis Ende Oktober 2013 weist das Hilfswerk darauf hin, dass am 21. Oktober 46 Menschen in der vorwiegend von Christen besiedelten Stadt Sadad von islamischen Milizen getötet wurden. Laut Open Doors steht dieser Fakt aber nicht für sich: Es gebe Hinweise, dass die gleichen Kämpfer auch Nachbarstaaten wie den Irak gezielt destabilisieren. "Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einem Stellvertreterkrieg islamistischer Gruppen entwickelt, die ein christenfreies Syrien unter der Scharia erreichen wollen", ist Markus Rode überzeugt.
In Pakistan gab es laut Open Doors im September 2013 den "verheerendsten Anschlag auf Christen seit der Staatsgründung" 1947: Selbstmordattentäter rissen 89 Christen vor der Allerheiligenkirche in Peshawar in den Tod. Kolumbien stieg im Index im vergangenen Jahr weit nach oben, auf Rang 25 des Index. In dem lateinamerikanischen Land sei die Zahl der Entführungen und Mordanschläge in den von FARC-Rebellen kontrollierten Gebieten enorm hoch. Die Ablehnung der Gewalt mache Christen zu Feinden der Rebellen.
Deutsche Bischöfe verzichten bewusst auf eine Rangliste
China war dagegen schon im vergangenen Jahr stark nach unten gerutscht und rangiert 2014 auf Platz 37. Dennoch bietet die große Volksrepublik dem Hilfswerk keinen Grund zum Jubeln: Andere Länder Asiens hätten sich Chinas Praxis der Registrierungspflicht und Kontrolle zu Eigen gemacht. So reglementiere beispielsweise Vietnam seit Januar 2013 "massiv alle religiösen Aktivitäten" und klettert auf Rang 18 des Weltverfolgungsindex.
Dass Open Doors die weltweite Christenverfolgung so klar beziffert, ist etwas Besonderes: Andere, wie etwa die Deutsche Bischofskonferenz , sind wegen der Schwierigkeit bei der Erhebung deutlich zurückhaltender bei der Quantifizierung. In dem 2013 zusammen mit der Evangelischen Kirche veröffentlichten " Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit" etwa wird auf eine Rangliste bewusst verzichtet und Vorsicht bei der Interpretation von Zahlen angemahnt: So seien Christen und Muslime schon allein aufgrund ihrer großen Zahl weltweit am meisten beeinträchtigt; zudem erfolgten Übergriffe nicht immer aus religiösen Gründen. Es könne beispielsweise auch um Konkurrenz um Ressourcen gehen.
Open Doors möchte durch die Bekanntmachung der Situation der Glaubensbrüder vor allem eines erreichen: Kirchen, Medien und Politik sollen diesen Menschenrechtsverletzungen entschiedener entgegentreten und Druck auf die Staaten der Liste ausüben. "Leider finden die unfassbaren Gräueltaten an Christen in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig Beachtung", sagt Markus Rode.
Von Agathe Lukassek und Gabriele Höfling
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Am Mittwoch reagierten deutsche Politiker besorgt auf die Ergebnisse der Untersuchung von Open Doors: "Die Lage der Christen in vielen Regionen der Welt muss uns immer mehr Sorgen machen", sagte Volker Kauder, Vorsitzender der Fraktion von CDU und CSU im deutschen Bundestag. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse dürften nicht ohne Konsequenzen bleiben. Das gelte besonders für die Lage der Christen in Syrien: "Der Bürgerkrieg in Syrien muss auch im Sinne der religiösen Minderheiten beendet werden. Daran mitzuarbeiten, ist eine der zentralen Fragen der deutschen Außenpolitik", so Kauder. Weitere Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen, sei ein Weg um Leid zu mindern. Die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (CDU), erklärte, der Kampf für die "weltweite Anerkennung des elementaren Menschenrechts auf Religionsfreiheit" müsse weitergehen. Das öffentliche Bekenntnis als auch das Werben für die eigene Religion dürften nicht eingeschränkt werden. Auch das Recht, den Glauben zu wechseln, sei zentraler Bestandteil der Religionsfreiheit. (gho/KNA)