Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Die Hand Gottes war männlich!

Die Hand Gottes war männlich!
Bild: katholisch.de/pathdoc/Fotolia.com

Endlich ist wieder Weltmeisterschaft, quasi die Heilige Messe des Fußballs! Sie ist Quelle und Höhepunkt des fußballerischen Fanlebens (LM 10, Konstitution Lothar Matthäus). Beten wir also gemeinsam: "Im Namen des Fußballgottvaters, seines eingeborenen Flankensohns und des Heiligen Gomez…"

Doch Fußball und katholische Kirche haben noch mehr gemeinsam als den bloßen Hang zu Stoßgebeten: Milliarden werden gescheffelt, die Diskrepanz zwischen Funktionären und Fans wird jedes Jahr größer und Frauen tätschelt man noch immer gerne den Kopf, während man ihnen zuraunt: "Die Hand Gottes war männlich! Ihr seid aber dennoch ein wichtiger Teil dieser ganzen Show – gleichwertig, aber nicht gleichartig. Ihr steht nicht im Fokus als Trainerlegende oder millionenschwerer Fußballer, aber ihr werdet in dienender Funktion gebraucht. Als treusorgende Spielerfrau, als Physiotherapeutin oder als Klofrau im Lieblingsrestaurant von Jogi Löw. Ohne euch geht nichts!"

Auch der – Achtung: Oxymoron – Köln-Fan und Fußballkenner Kardinal Rainer Maria Woelki weiß um die Parallelen zu Kirche und Bischöfen, selbst wenn er sie nur durch die Blume kommuniziert: Fußball sei ein Mannschaftssport, bei dem es immer um das nötige gute Zusammenspiel gehe, sagt er. Und: Fehler anderer könnten ausgeglichen werden, wenn die Musketier-Weisheit "Einer für alle, alle für einen" umgesetzt werde. Diese Mannschaftserfahrung gelte nicht nur im Fußball, sondern in fast allen Lebensbereichen, orakelte Woelki so unkonkret über den WM-Verlauf, dass sich Krake Paul im Tintenfisch-Himmel die Tentakel vor die Stirn schlägt.

Doch wer genau hinschaut, erkennt die geniale Analogie: die Deutsche Bischofskonferenz als Fußballnationalmannschaft! 66 Freunde sollt ihr sein – und statt mit einer pastoralen Handreichung auf die Protestanten zuzustürmen, sollt ihr den Herrn mit Leib- und Blutgrätsche beschützen. Denn eine alte Fußballweisheit besagt: Der Angriff gewinnt vielleicht Spiele, aber die Abwehr Turniere. Und so waren es sieben Glaubensverteidiger rund um den Kardinal, die den in die Abseitsfalle stürmenden Capitano aus München und das restliche, ökumenisch zu offensiv auftretende Team abfangen mussten, um die Kommunionbank sauber zu halten. Frei nach dem Motto: Das Runde darf nur in das Katholische! Ob sich die Fans jedoch noch lange so ein langweiliges Gekicke ohne Tore anschauen wollen, bleibt offen.

Für langweiligen und defensiven "Catenaccio"-Fußball waren ja sonst eigentlich immer die Italiener zuständig. Umso überraschender, dass ausgerechnet Albino Luciani nichts dagegen hatte, die "Pille zu versenken". Zumindest im übertragenen Sinne. Denn wie jetzt bekannt wurde, galt der damalige Bischof von Vittorio Veneto und spätere Papst Johannes Paul I. als Gegner eines Verbots von künstlichen Verhütungsmitteln. Doch da hatte er die Rechnung ohne den knallharten Libero der italienischen Elf gemacht, Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini. Künstlername: Paul VI.

Björn Odendahl

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"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren samstags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.

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