Sobald der Papstthron unbesetzt ist, ändert sich in den Messfeiern weltweit das sogenannte Hochgebet: Üblicherweise wird der Name des Papstes verpflichtend erwähnt; das soll die Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom zum Ausdruck bringen. Jetzt wird stattdessen nur für den Ortsbischof und die Gemeinschaft der Bischöfe gebetet.
Diesmal kein Trauerflor
Die Hadriansbrücke (Engelsbrücke) führt zur Engelsburg in Rom. Am Brückenzugang stadteinwärts stehen die Figuren der Apostel Petrus und Paulus.
Auch das Wappen des amtierenden Papstes in zahlreichen Kirchen ist hinfällig geworden. In päpstlichen Basiliken - den sechs "Basilicae maiores" in Rom und Assisi sowie weltweit mehr als 1.600 "Basilicae minores" - war der Wappenschild Benedikts XVI. ein Zeichen der besonderen Verbundenheit mit dem Papst und Ausweis bestimmter Privilegien. Der Rücktritt stellt die Kirchenverantwortlichen vor eine neue Situation.
"Normalerweise wird bis zum Konklave ein Trauerflor angehängt", sagt Giuseppe Banfi, Sekretär des Erzpriesters in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore in Rom. Diese Lösung kommt jetzt natürlich nicht in Frage. Anfang der Woche warteten die römischen Basiliken noch auf einen Wink aus dem Vatikan, wie sie mit dem Wappen Benedikts XVI. verfahren sollen. Möglicherweise bleibt es einfach am Platz, bis ein Nachfolger im Amt ist.
Eigenes Wappen für die Sedisvakanz
Von Donnerstagabend an prangt auf vatikanischen Urkunden nicht mehr das Emblem des Heiligen Stuhls, sondern ein eigenes Sedisvakanz-Wappen; es zeigt die gekreuzten Petrusschlüssel unter einem geöffneten Schirm. Dieses Symbol erscheint bis zur Wahl eines neuen Papstes auch im Kopf der Vatikanzeitung "Osservatore Romano".
Ein kurioses Beispiel findet sich an der Engelsbrücke in Rom: Papst Clemens VII. gab kurz vor seinem Tod 1634 die Statuen von Petrus und Paulus in Auftrag; unter Petrus ist das Wappen von Clemens VII. zu sehen, unter Paulus das Zeichen der Sedisvakanz.
Ein Fest für Münz- und Briefmarkensammler
Sonderbriefmarken der Vatikanpost zur Sedisvakanz nach dem Tod von Papst Johannes Paul II.
Ehejubilare, Geistliche mit runden Jahrestagen und andere Personen mit Grund zum Feiern fragen in den nächsten Tagen vergeblich nach päpstlichen Segensurkunden. Diese Pergamente werden von einer Abteilung des Almosenamtes ausgestellt. Jährlich sind es 120.000; weitere 180.000 gehen in Andenkenläden über den Tisch. Ein Teil des Erlöses kommt der Armenkasse zugute. Aber ohne Papst gibt es auch keinen Apostolischen Segen.
Dafür warten Münz- und Briefmarkensammler bereits auf die Sedisvakanz-Editionen. Immerhin findet eine solche Sonderausgabe - ebenfalls mit den Petrusschlüsseln unter dem "umbraculum" (Schirmchen) - seit 35 Jahren erst wieder zum zweiten Mal statt.
Ein freier Tag weniger
Unklar ist für die insgesamt rund 4.500 Bediensteten des Vatikanstaates und der Kurie, ob ihnen jetzt ein Feiertag entgeht: Traditionell haben sie zum Namenstag ihres Dienstherrn arbeitsfrei - das war bislang der Josefstag am 19. März. Im Vatikan-Kalender 2013 steht das Datum als Fest; ob diese Eintragung noch gilt oder durch den Amtsverzicht am Donnerstag hinfällig wird, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Auf vatikanischen Fluren ist auch ein Thema, ob es wie bei früheren Pontifikatswechseln eine Gehaltszulage gibt. Die, so meinen Kirchenmitarbeiter, hätten sie durchaus verdient. Schließlich geht es aus ihrer Sicht nicht um eine Todesprämie, sondern um einen Ausgleich für die Mehrarbeit zwischen zwei Päpsten.