Impuls von Schwester Johanna Domek
Seit einem Dreivierteljahr ist vieles anders geworden: Eine Pandemie und ein noch fehlender Impfstoff haben das ausgelöst und nötigen uns zu Einschränkungen in großem Ausmaß mit teilweise schwerwiegenden Konsequenzen. Auch der Advent wird in diesem Jahr anders sein als sonst. Wir müssen vieles anders machen. Wir werden es auch irgendwie können.
An der Innenseite meiner Zimmertür befindet sich der Aufkleber einer Partei aus einem Wahlkampf vor einigen Jahren: "Wir können auch anders." Daneben hängt ein Weihwasserbecken, dessen Wasser mich jeden Tag an meine Taufe erinnert und sie für mich frisch hält, während das Weihwasserbecken an der Kirchentür seit März aus Hygiene- und Sicherheitsgründen ausgetrocknet bleibt.
Johannes der Täufer, dieser krasse, prophetische Mensch aus der Zeit Jesu, der jedes Jahr in der Liturgie am Anfang des Advents steht und zu Umkehr, Buße und zum Andersmachen ruft, passt dazu.
Johannes sieht sich als Vorläufer. Es geht ihm darum, Gott einen Weg zu bereiten, auf dem er in Jesus ankommen kann. Den Weg für die Ankunft Gottes zu bereiten, bedeutet für jeden, Vieles anders zu machen. So sagt Johannes: Schaut eure Sünden an, was ihr falsch macht und falsch anpackt. Kehrt um und bringt Früchte eurer Umkehr. Verhaltet euch so, dass die sich zeigen. Verhaltet euch so, dass Gott eine Chance hat.
Er rüttelt die Menschen seiner Zeit wach, redet ihnen ins Gewissen. Und seltsamerweise: Die Leute kommen und lassen sich von ihm taufen. Was ist das? Er ist alles andere als populistisch, völlig unangepasst und unbestechlich, und darin sehr authentisch. Er lebt, denkt, handelt anders als sie, und ist doch den Menschen wirklich zugewandt, nimmt Anteil an ihnen. Er ist selbst aufrichtig und schlicht, ohne sich selbst wichtig zu nehmen oder wichtig zu machen. Ein wirklicher Gottesmann, der – wie Grünewald es im Isenheimer Altar großartig darstellt – nicht auf sich, sondern auf einen andern verweist.
Im etwas ausführlicheren Paralleltext im Lukasevangelium sagt er noch: Es nützt euch nichts, zum erwählten Volk Gottes zu gehören, Abrahams Kinder zu sein, ihr selbst müsst richtig leben. Und die Menschen fragen ihn ehrlich betroffen. "Was sollen wir denn tun?" (Lk 3,10–14). Johannes sagt ihnen etwas, was zu ihren Lebensumständen passt, denen, die Eigentum haben sagt er etwas, etwas anderes den Zöllnern und den Soldaten wieder etwas anderes.
Wenn Johannes der Täufer uns heute sähe, wenn wir dastehen und ihn fragen würden: "Was sollen denn wir tun?" Haben Sie eine Idee, was er uns antworten würde, was und wie wir es anders machen könnten dieses Jahr und überhaupt?
Evangelium nach Markus (Mk 1,1–8)
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn:
Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja - Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird.
Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! - , so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.
Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Die Autorin
Sr. Johanna Domek OSB ist seit mehr als 40 Jahren Benediktinerin in Köln-Raderberg, wo sie in der Kurs- und Exerzitienarbeit tätig ist. Darüber hinaus ist sie Beauftragte des Netzwerks alternde Ordensgemeinschaften und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Spiritualität veröffentlicht.
Ausgelegt!
Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.
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