Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt

Im Dunkeln gelassen?

Im Dunkeln gelassen?
Bild: picture alliance / dpa/Fredrik Von Erichsen

"Über fast zwei Jahre hat man uns im Dunkeln gelassen, regelwidrig Aufträge vergeben und Kredite aufgenommen. Obwohl bereits 2011 eine präzise Kostenschätzung in den Händen des Bischofs gewesen ist – wie wir aus den Akten wissen", sagte Riebel gegenüber der Zeitung. Das sei ein "ungeheuerlicher Vorgang", den es in der katholischen Kirche noch nicht gegeben habe.

Riebel verteidigte zugleich die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates, trotzdem im August 2013 eine deutlich höhere Kreditaufnahme zu genehmigen. "Dazu gab es keine Alternative", so der ehemalige Leiter der hessischen Staatskanzlei, "weil wir die Zahlungsfähigkeit des Bischöflichen Stuhls nicht riskieren wollten". Denn zwischenzeitlich habe die kreditgewährende Bank den entsprechenden Nachweis gefordert.

Pikante Aussagen

Riebels Aussagen sind pikant: Schließlich wird noch im Laufe dieses Monats der Bericht einer von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Sonderkommission erwartet. Das Gremium unter Leitung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grote prüft seit Herbst die Finanzierung des Bauprojekts auf dem Limburger Domberg auf Unregelmäßigkeiten.

Aufgenommen am 13.10.2013 während der ARD-Talksendung
Bild: © dpa/Karlheinz Schindler

Jochen Riebel ist Mitglied des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls Limburg.

Hinzu kommt: Auch der Vermögensverwaltungsrat geriet nach Bekanntwerden der Kostenexplosion für den Bischofssitz in die Kritik. Unter anderem wird den Mitgliedern des Gremiums vorgeworfen, dass sie früher von den enorm steigenden Baukosten hätten wissen müssen. Unter anderem wurde im Herbst ein Sitzungsprotokoll bekannt, laut dem der Rat Bischof Tebartz-van Elst am 1. Juli 2011 eine Art Blankocheck für Ausgaben des Bischöflichen Stuhls ausgestellt haben soll. Unterzeichnet wurde das Protokoll, in dem bereits auch Gesamtinvestitionen für das Bauprojekt von 17 Millionen Euro genannt werden, von allen drei Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats.

Bischof Tebartz-van Elst, der sich eigentlich seit Oktober aufgrund einer Entscheidung von Papst Franziskus auf unbestimmte Zeit außerhalb des Bistums Limburg aufhalten soll, ist derweil bereits wieder regelmäßig in der Diözese. Bistumssprecher Stephan Schnelle bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Tebartz "aus persönlichen Gründen" im Bistum unterwegs

Der Bischof sei "aus persönlichen Gründen" hin und wieder kurz in Limburg. Dies sei aber nicht verboten oder ehrenrührig, da er "weder im Exil noch in der Verbannung" lebe, so Schnelle weiter. Die FAS berichtet weiter, dass Tebartz-van Elst Generalvikar Wolfgang Rösch im Hintergrund Weisungen erteile. Dazu sagte Schnelle, dass Rösch natürlich im Kontakt mit dem Bischof stehe, aber allein dem Vatikan informations- und rechenschaftspflichtig sei.

Rösch, der am Freitag genau 100 Tage im Amt war , hat derzeit im Auftrag des Heiligen Stuhls die Verwaltung der hessischen Diözese inne. Der erwartete Prüfbericht der Sonderkommission der Bischofskonferenz gilt als wichtiger Schritt im Blick auf die weitere Verwendung von Tebartz-van Elst. (stz)