Beim Katholikentag in Regensburg haben die inhaltlichen Debatten begonnen

Diskussionen und Dauerregen

Podiumsdiskussion mit Bundespräsident Joachim Gauck beim 99. Deutschen Katholikentag in Regensburg.
Bild: KNA

Marx: Franziskus ist heilsame Provokation

Der Wunsch von Papst Franziskus nach einer "armen Kirche für die Armen" ist nach Meinung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eine "heilsame Provokation für eine verbürgerlichte Kirche". Zugleich verteidigte der Münchner Erzbischof das Anliegen einer soliden Vermögensvorsorge der Kirche. Sie könne im Unterschied zum Staat keine Schulden auf Kosten kommender Generationen machen, sondern müsse nachhaltig für ihre Mitarbeiter, Gebäude und Kulturgüter Sorge tragen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz betonte, auch bei der Kurienreform im Vatikan sei nicht geplant, das Vermögen des Papstes zu verteilen. Es müsse vielmehr drei Zwecke erfüllen, nämlich der Verkündigung dienen, den Armen helfen und die Mitarbeiter materiell absichern. Diese Haltung habe er auch im Vermögensbeirat des Vatikan vertreten, betonte Marx.

Der Kardinal reagierte kämpferisch auf hämische Laute aus dem Publikum, die nach seiner Aussage hörbar wurden, er habe in den Monaten der Limburger Bauaffäre sehr gelitten. Es sei schlimm, dass viele Leute aus der Kirche ausgetreten seien, betonte Marx. Die Kirche müsse lernen, ihre vernünftige Position in der kirchlichen Vermögensfrage glaubwürdiger zu vertreten. (KNA)

Gauck ermuntert Katholiken zu Reformen

Bundespräsident Joachim Gauck sieht Deutschland nicht auf dem Weg in eine gottlose Gesellschaft. Selbst wenn die Kirchen in eine Minderheitensituation geraten würden, führe das nicht automatisch zu einer geistlichen Schwäche, sagte Gauck auf dem Katholikentag in Regensburg. Dabei verwies er auch auf die Rolle der Christen bei der friedlichen Revolution in Ostdeutschland.

Besorgt äußerte sich der Bundespräsident allerdings über eine "grassierende Gleichgültigkeit". Viele Menschen dächten, dass sich Demokratie, Freiheit oder Glück "einfach ereignen", ohne sich selbst einbringen zu müssen. Gauck hob zugleich die Bedeutung von Religion für die Gesellschaft hervor. Sie ermögliche die Suche nach einem "letzten Grund unseres Lebens", der auch die politischen Wahrheiten überbiete.

Der Bundespräsident ermunterte die Katholiken zu Reformen. Die Kirche müsse sich stärker fragen, "welche Gaben der Allmächtige in sein wanderndes Gottesvolk hineingegeben hat", so Gauck. "Nirgendwo steht geschrieben, dass der Heilige Geist nur in den Bischöfen waltet." Er regte ein großes Konzil an, um den richtigen Weg in der Auseinandersetzung mit der Moderne zu finden. Zentrale Elemente des Glaubens müssten sich entwickeln und wachsen. Zugleich warnte er davor, den Kerngehalt christlicher Verkündigung zu verwässern. Die Kirchen müssten "von Jesus Christus, von Gott" sprechen.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, warnte vor einem Rückgang der Religion in der Gesellschaft. Dann stelle sich die Frage nach den Grundlagen des Zusammenlebens. Gerade aus der Erfahrung der Barbarei des Nationalsozialismus heraus ruhe die Verfassung auf einem Menschenbild, das von der jüdisch-christlichen Tradition geprägt sei. Auch die säkulare Gesellschaft sei weiterhin von vielen christlichen "Wertkräften" geprägt.

Als entscheidende Herausforderung für die Kirche nannte Glück die Weitergabe des Glaubens. Dies rangiere noch vor den Fragen nach einem Pflichtzölibat oder nach dem Zugang von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten. (KNA)

Veranstalter ziehen positive Auftaktbilanz

Trotz Dauerregen haben die Veranstalter des Katholikentags in Regensburg eine positive Auftaktbilanz gezogen. "Wir stehen am Anfang eines wunderbaren Katholikentags", sagte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper am Donnerstag in Regensburg.

Sein "Respekt" gelte vor allem den rund 17.000 Besuchern des großen Gottesdienstes zum Fest Christi Himmelfahrt im Regensburger Universitätsstadion, die sich von dem schlechten Wetter nicht hätten abschrecken lassen., so Vesper. Einzelne Probleme wie kurzfristige Engpässe bei der Verpflegung oder Wartezeiten beim Pendelverkehr zwischen Stadion und Stadt gehörten dazu, sagte Vesper. "Bei jedem Katholikentag ist der Donnerstag immer ein Moment der Irritation." Danach pendle sich meist alles schnell ein.

Hauptsorge der Organisatoren sind derzeit die vom Regen aufgeweichten Wege rund um das Universitätsgelände sowie die Motivation der Helfer, die im Freien arbeiten müssten. Wie Katholikentags-Geschäftsführer Martin Stauch vor Journalisten mitteilte, waren zum Auftakt 1.800 Helfer im Einsatz. In den kommenden Tagen soll die Zahl auf rund 2.000 steigen. (stz/KNA)