Standpunkt

Die Kirche in Deutschland kann in manchen Fragen vorangehen

Der Synodale Weg
Bild: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner

Letzte Woche in Rom, bei einem Treffen von Ordensleuten aus aller Welt: Ich fragte ein wenig herum, wie man den deutschen Synodalen Weg sieht und seine Themen. Nun, die meisten schauten etwas skeptisch, waren allerdings auch kaum informiert, und die Themen erschienen erst Mal weit weg – der Alltag in vielen Ländern ist durch dringendere Probleme belastet.

Und doch kamen wir etwas ins Gespräch: Ja, mit Missbrauch haben fast alle zu tun, auch wenn er oft noch recht tabuisiert wird – viele Kulturen tun sich sehr schwer, ihm ins Auge zu sehen. Ja, die Frage nach Rollen und Aufgaben der Frauen in der Kirche brodelt überall, zumindest im Untergrund. Ja, Sexualität wird vielfach anders gelebt. Ja, mit dem geistlichen Amt gibt es Probleme, etwas scheint da nicht mehr zu funktionieren….

Der weltweite synodale Weg, von Papst Franziskus initiiert, wird vielleicht doch einiges zu Tage bringen: dass sich manche Fragen – erste Rückmeldungen deuten es an – überall in der Kirche ähnlich stellen; dass zwar der vielerorts etwas verschlafene Klerus noch kaum etwas gemerkt hat, aber das Volk Gottes eben doch größere Reformerwartungen hegt; dass auch das so selbstzufrieden erscheinende und auf sich selbst bezogene "Rom" nicht mehr umhinkommt, endlich aufzuwachen; dass der tiefere Grund für den Umbruch nicht einige protestantisierende Deutsche sind, sondern der geistliche und sexuelle Missbrauch, und diesen haben nicht nur ein paar alte, vielleicht kranke Männer begangen, sondern er hat einen spirituellen und klerikalen und systemischen Urgrund.

Wir deutsche Katholiken sollten uns international mehr vernetzen und weltweit sowohl mehr zuhören als auch über unsere Anliegen mehr informieren und für sie werben. Es sind Anliegen aller Christen. Mit unserer recht liberalen und reflektierenden Kultur und mit unserer freien Gesellschaftsordnung haben wir die Chance, in manchen Fragen voranzugehen und damit einen Dienst für alle zu leisten.

Stefan Kiechle SJ

Der Autor

Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.