Ministrant nimmt Stellung zu Protestaktion bei Rom-Wallfahrt

Messdiener über Kardinal Woelki: Er dreht uns den Rücken zu

Messdiener über Kardinal Woelki: Er dreht uns den Rücken zu
Bild: KNA/Harald Oppitz

Einer der Messdiener, die dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kürzlich in einem Gottesdienst den Rücken zukehrten, hat die Protestaktion gegen den Erzbischof verteidigt. "Woelki dreht uns gerade den Rücken zu. Er ist doch der, der sich versteckt. Er ist für uns nicht greifbar und hat unser Vertrauen verloren", sagte der Theologiestudent Yannik Gran der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag). Dass die Aktion ausgerechnet während einer Messe erfolgte, erklärte der 22 Jahre alte Ministrantenleiter in der Kölner Gemeinde Am Heumarer Dreieck mit den Worten: "Wo können wir sonst einem Kardinal etwas sagen?"

Vergangene Woche waren rund 100 bis 150 Messdiener während einer Predigt des Erzbischofs in einer Kirche in Rom aufgestanden und hatten sich umgedreht. Laut Augenzeugen waren auch "Woelki muss weg"-Rufe zu hören. Zudem wurden Regenbogenflaggen geschwenkt, um ein Zeichen für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt zu setzen. Die jungen Menschen waren zu einer Wallfahrt nach Italien gereist. Insgesamt nahmen rund 2.000 Kinder und Jugendliche aus dem Erzbistum Köln an dem Gottesdienst teil.

Woelki: Schade, dass das im Gottesdienst passiert ist

Von einigen erhielt Woelki Applaus, als er seine Predigt mit den Worten beendete, dass Jesus den Leuten immer offen gegenüber getreten sei und "eigentlich nie einem Menschen den Rücken zugedreht" habe. Später sagte der Kardinal, er finde es schade, dass die Protestierenden den Gottesdienst für ihre Aktion nutzten. Denn gerade eine Messe sei eine Feier der Einheit und des Friedens.

Diözesanjugendseelsorger Tobias Schwaderlapp erklärte anschließend über die Pressestelle der Erzdiözese: "Wir als Jugendseelsorge nehmen die Gedanken, Sorgen und zum Teil konträren Meinungen unserer Jugendlichen ernst." Ihn überrasche es nicht, dass die Ministranten auf ihrer Wallfahrt die inneren Spannungen in der Kirche und im Erzbistum Köln nicht einfach hinter sich lassen könnten. Er habe die Jugendleiter gebeten, mit Gesprächsangeboten auf die Jugendlichen zuzugehen.

Vor allem wegen der Missbrauchsaufarbeitung ist im Erzbistum Köln eine Vertrauenskrise entstanden. Papst Franziskus hatte Woelki im Herbst vergangenen Jahres in eine mehrmonatige Auszeit geschickt und ihn später aufgefordert, seinen Rücktritt anzubieten. Über den Amtsverzicht hat der Papst noch nicht entschieden. (tmg/KNA)