Papstaufruf nach Zerstörung dutzender Kirchen

"Für den Frieden beten!"

"Für den Frieden beten!"
Bild: katholisch.de

Mit Blick auf das Christentum sagte er, Glaube und Gewalt seien unvereinbar. Die Stärke der christlichen Religion liege in "der Kraft der Sanftmut, der Kraft der Liebe", so der Papst. Er verurteilte jede Anwendung von Zwang zur Verbreitung des christlichen Glaubens. "Glaube und Gewalt sind unvereinbar! Aber Glaube und Kraft gehören zusammen. Ein Christ ist nicht gewalttätig, aber er ist stark: Stark in der Milde."

Zugleich hob er hervor, dass Frieden für einen Christen nicht Neutralität oder ein Kompromiss um jeden Preis bedeute, sondern vorbehaltlosen Einsatz für das Gute, die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Dem müssten alle persönlichen Interessen untergeordnet werden. Wer an Gott glaube, müsse ihn zum grundlegenden Kriterium seines Handelns machen. Es reiche nicht, das Leben mit "ein bisschen Religion zu verschönern, so als sei es eine Torte, die man mit Sahne verziert", sagte der Papst.

Kirchlicher Bericht: 58 christliche Einrichtungen angegriffen

Unterdessen verbreitete der vatikanische Pressedienst Asianews eine Aufstellung, nach der in den vergangenen Tagen in Ägypten mindestens 58 Kirchen, Klöster und andere christliche Einrichtungen angegriffen wurden. Hauptsächlich betroffen sei die Gemeinschaft der Kopten. Auch 14 katholische Gebäude - neun Kirchen, vier Klöster und eine Schule - seien attackiert und teilweise zerstört worden, so der am Wochenende veröffentlichte Bericht.

Drei Muslimbrüder wehren sich gegen die Auflösung ihres Lagers.
Bild: © dpa/Hesham Mostafa

Bei der Räumung von Protestcamps der Muslimbrüder ist es am 14.08.13 zu Gewalt in Kairo gekommen.

Der ägyptische katholische Bischof Youhanna Golta betonte, dass derzeit in Ägypten keine Christenverfolgung herrsche. Unter den Muslimbrüdern litten "sowohl Christen wie Muslime", sagte der koptisch-katholische Oberhirte aus Alexandria im Interview mit Radio Vatikan. Diese Islamisten attackierten unterschiedslos Kirchen, Schulen, Museen und andere Einrichtungen. Zwar nutzten sie "die Schwäche der christlichen Minderheit, um anzugreifen, um zu töten", räumte Golta ein. "Aber unsere muslimischen Freunde, das heißt die Mehrheit der Muslime, hilft den Christen und unterstützt sie."

Kopten stehen hinter dem Vorgehen der Regierung

Die Führung der koptischen Christen in Ägypten bekundete ihren Rückhalt für das Vorgehen der Regierung gegen die islamistischen Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Die Kirche stehe hinter Polizei und Militär, hieß es in einer Erklärung. Zugleich warf die Kirchenleitung unter Papst Tawadros II. westlichen Medien eine verfälschende Darstellung vor. Der Westen müsse "die Fakten der Ereignisse objektiv lesen" und dürfe "diesen terroristischen und blutrünstigen Gruppen keinen internationalen und politischen Schutz geben", so die Stellungnahme.

Angesichts der Gewalt rief die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen dazu auf, christliche Flüchtlinge aus Ägypten in Europa großzügig aufzunehmen. "Die Religionsfreiheit für Christen ist in Ägypten nicht mehr gewährleistet", teilte die Gesellschaft mit. Ägyptens Christen hätten in dieser Woche die schlimmste Gewalt seit sechs Jahrhunderten erlebt. In ihrer Heimat hätten sie immer weniger Perspektiven und fürchteten um ihre Sicherheit.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Angriffe auf Kirchen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen in Ägypten am Wochenende als inakzeptabel verurteilt. Er rief Demonstranten und Behörden zu "maximaler Zurückhaltung" auf. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) setzt sich für die Christen in dem Land ein. "Die christliche Minderheit in Ägypten muss vor Übergriffen geschützt werden", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Westerwelle betonte, Deutschland stehe in dem Konflikt nicht auf der Seite einer der politischen Kräfte. "Wir stellen uns auf die Seite der Menschen, die auf Freiheit und demokratische Werte setzen und die eine offene Gesellschaft wollen". (luk/KNA/Radio Vatikan/dpa)