Reaktionen von katholischen Hilfswerken und Verbänden

ZdK würdigt Benedikt XVI. als prägende Persönlichkeit

ZdK würdigt Benedikt XVI. als prägende Persönlichkeit
Bild: picture alliance / dpa | Michael Kappeler

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat den emeritierten Papst Benedikt XVI. nach seinem Tod als prägende Persönlichkeit gewürdigt. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp erklärte am Samstag in Berlin, seine Wahl zum Papst 2005 habe "viele mit Stolz, vor allem aber mit Hoffnung" erfüllt. Für manche habe sich diese Hoffnung erfüllt. Für andere sei die unerfüllte Sehnsucht geblieben, Antwort auf die Frage zu finden, "wie Christsein im 21. Jahrhundert gelingen kann", erklärte die ZdK-Präsidentin. Benedikt XVI. war am Samstagmorgen im Alter von 95 Jahren in seinem Altersruhesitz im Vatikan gestorben.

Stetter-Karp erinnert auch an irritierende Aussagen Benedikts

Nach seinem Rücktritt im Februar 2013 habe Benedikt XVI. Respekt und Anerkennung erfahren, so Stetter-Karp weiter. "Die ganze Welt – auch ich selbst – staunte über diesen Schritt, der vielleicht neue Maßstäbe für das Verständnis des Papsttums gesetzt hat." Im Zuge seiner wissenschaftlichen Laufbahn als Professor für Dogmatik an mehreren Universitäten sei er "zu einem scharfen Kritiker von Theologien geworden, die er als zeitgeistig eingeschätzt hat." Dabei habe er aber nicht auf Denkverbote gesetzt, sondern auf Dialog.

Stetter-Karp erinnerte auch an die irritierenden Aussagen des früheren Papstes und Kardinals. So habe er etwa mit seiner Regensburger Rede über Glaube, Vernunft und Gewalt von 2006 "eine temporäre Verstörung in den Beziehungen zur islamisch geprägten Welt" ausgelöst. Auch sein Rat zur "Entweltlichung" 2011 habe viele irritiert, so die ZdK-Präsidentin. Sein Verweis Ende 2021 auf Erinnerungslücken zu Missbrauchsfällen aus seiner Zeit als Erzbischof und Kardinal in München habe dem emeritierten Papst ebenfalls Kritik eingebracht. Aus dem im Januar 2022 veröffentlichten Münchner Missbrauchsgutachten ging schließlich hervor, dass er teils Täter im Amt belassen und lediglich versetzt hatte.

kfd: Benedikts Leben stand ganz im Dienst der Kirche

Der Malteser Hilfsdienst würdigte den verstorbenen früheren Papst als einen der größten Theologen des 20. Jahrhunderts und als großen Freund und Förderer der Malteser. Bei seinen Deutschlandbesuchen und beim Weltjugendtag 2005 hatten die Malteser ihn als Sanitätsgarde begleitet. Seit 2007 war Benedikt Ehrenmitglied des Malteser Hilfsdienstes. Das katholische Missionswerk missio Aachen äußerte sich ebenfalls bestürzt über den Tod Benedikts. "Er war als Papst ein wichtiger Förderer der rund 120 Päpstlichen Missionswerke missio weltweit", sagte der Präsident des Hilfswerks, Pfarrer Dirk Bingener. Mit Dankbarkeit erinnere sich missio Aachen an den Einsatz von Benedikt XVI. für ehemalige Kindersoldaten und deren Rehabilitation. So habe er im Februar 2008 missio-Botschafterin Gundula Gause, die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi und den damaligen missio-Präsidenten Pater Hermann Schalück OFM in Audienz empfangen. "Diese Audienz hat uns sehr geholfen, diese Menschenrechtsverletzung noch stärker in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu bringen", so Bingener.

Auch das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" trauert um Benedikt XVI. "Wir blicken dankbar zurück auf die Unterstützung von Papst Benedikt für die Anliegen der Sternsinger", sagte Bingener, der ebenfalls Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" ist. Deren Engagement habe Benedikt XVI. immer in besonderer Weise gewürdigt. 2011 hatte Benedikt XVI. gesagt, die Sternsinger bezeugten, dass Gott bei den Menschen sein wolle. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) äußerte sich betroffen über den Tod Benedikts. "Der Tod des Papstes em. bewegt viele Christinnen und Christen auf der ganzen Welt. Möge er in Frieden ruhen", erklärte die kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil. Und weiter: "Wir erinnern uns mit großem Respekt an die vielen Stationen und großen Aufgaben seines langen Lebens, das ganz im Dienst der Kirche stand." Besonders in Erinnerung bleibe, dass er sich 2006 offen für Reformen der katholischen Kirche gezeigt habe. In seiner Enzyklika "Deus caritas est" habe Benedikt erklärt, dass nur eine diakonische Kirche eine glaubwürdige Kirche sei. Heil betonte zudem, dass Benedikt XVI. der erste Papst war, der sich persönlich mit Betroffenen sexualisierter Gewalt traf.

Der Familienbund der Katholiken hat den verstorbenen ehemaligen Papst Benedikt XVI. gewürdigt. "Wir verneigen uns vor einem großen Theologen, Lehrer und Leiter der Kirche", erklärte dessen Präsident Ulrich Hoffmann am Samstag in Berlin. Mit dem Papst aus Bayern verliere der Familienbund einen engagierten Mitstreiter für die Interessen der Familien und der Eheleute. Für Papst Benedikt sei die Familie die Grundzelle der ganzen Gesellschaft gewesen. Sie sei für ihn auch der Ort gewesen, "an dem man sich der Welt und dem Leben öffnet," so der damalige Papst. Der Familienbund der Katholiken danke für das herausragende Lebenszeugnis des verstorbenen Papstes und "weiß ihn nun in der guten Hand Gottes geborgen". (stz/epd/KNA)

31.12., 20 Uhr: ergänzt um das Statement der Sternsinger.