Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rief die Politik zu einem stärkeren Engagement für den Klimaschutz auf. Wenn die CDU auf dem Parteitag über Lebensqualität diskutiere, müsse sie auch die Menschen berücksichtigen, deren Lebensgrundlagen weltweit durch den vor allem von den Industrieländern verursachten Klimawandel bedroht würden, betonte Woelki.
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki beim Katholikentag in Mannheim.
"Die Zunahme von Katastrophen wird zu wenig als Folge von Industrie, Verkehrsaufkommen und Ressourcenverbrauch gesehen", sagte der Kölner Erzbischof. "Die negativen Auswirkungen des Klimawandels treffen die verletzbaren Bevölkerungsgruppen existenziell." Als Folge des Klimawandels entstünden Verteilungskonflikte und Wanderungsbewegungen. "Es werden künftig also nicht nur diejenigen an die Tür der Festung Europas zu klopfen versuchen, die vor Waffengewalt fliehen, sondern ebenso diejenigen, deren Lebensgrundlagen klimatisch bedroht sind."
In der Debatte um Sterbehilfe begrüßte der Kardinal die sehr intensive und ernsthafte Debatte im Bundestag. Der Gesetzgeber müsse sich nicht nur der Frage widmen, "wo es zwischen individueller Selbstbestimmung und ärztlicher Verantwortung Handlungs- und Regelungsbedarf gibt, sondern auch, ob überhaupt und wie dieser Handlungsbedarf in allgemeinverbindlichen gesetzlichen Regelungen überzeugend gelöst werden kann".
Woelki sieht beim Umgang mit Sterbenden eine zentrale Verantwortung der Kirchen. Sie müssten einerseits das Wort ergreifen, um vor einem ethischen Dammbruch zu warnen. Darüber hinaus müssten sie in den eigenen Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens sterbenden Menschen und ihren Angehörigen beistehen, die palliative Versorgung ausweiten und "eine Form der Begleitung ermöglichen, die das Diktum rechtfertigt: Bei uns stirbt keiner allein".
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, warnte mit Blick auf die Sterbehilfe vor einem falschen Verständnis menschlicher Selbstbestimmung. "Die Würde des Menschen ist nicht vom selbstbestimmten Leben abhängig", sagte er. Das Leben bestehe nicht nur aus Autonomie, "sondern vielfach auch aus Abhängigkeiten und Angewiesensein".
Bundekanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel stimmt beim Thema Sterbehilfe mit den Kirchen überein. Sie hat auf dem CDU-Parteitag in Köln jede organisierte Suizidbeihilfe abgelehnt: "Geschäftsmäßige Sterbehilfe kommt für uns nicht in Betracht. Das Sterben müsse als Teil des Lebens gesehen werden. Merkel rief außerdem zur Hilfe für verfolgte Christen und zum lautstarken Protest gegen Christenverfolgungen auf. Es sei die Pflicht einer christlichen Partei, insbesondere diesen Menschen eine Stimme zu geben. Sie dankte vor allem dem Unionsfraktionschef im Bundestag, Volker Kauder (CDU), der für dieses Thema früh sensibilisiert habe. (bod/KNA)