Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, hat sich "zutiefst erschüttert" gezeigt über die verheerenden Folgen der Zerstörung des Kachowka-Staudamms in der Südukraine. "Wenn die russischen Streitkräfte für die Sprengung verantwortlich sind, wie es aktuell den Anschein hat, ist dies ein Kriegsverbrechen, wie wir es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben", sagte Bätzing am Mittwoch laut einem in den sozialen Netzwerken verbreiteten Posting der Bischofskonferenz. Und weiter: "Die Verwendung von lebensspendendem Wasser als Waffe verurteile ich aufs Schärfste! Unsere Gedanken und Gebete sind bei den betroffenen Menschen, die unter dieser tragischen Katastrophe leiden." Bätzing rief dazu auf, für die Betroffenen der Katastrophe sowie für eine schnelle Erholung der Region und ein Ende des Krieges in der Ukraine zu beten.
Laut Ukraine 42.000 Menschen von Überschwemmungen bedroht
Der Kachowka-Staudamm im Süden der Ukraine war in der Nacht zum Dienstag gebrochen. Die Ukraine und Russland beschuldigen sich gegenseitig, den Damm zerstört zu haben, die genaue Ursache ist bislang ungeklärt. Nach ukrainischen Angaben sind etwa 42.000 Menschen von Überschwemmungen bedroht. Der Wasserpegel in den Flutgebieten steige weiter an. Am schwierigsten sei die Lage im Viertel Korabel in der Großstadt Cherson, teilte Olexij Kuleba, der stellvertretende Kabinettschef des ukrainischen Präsidenten, mit. Das Wasser habe dort einen Stand von 3,5 Metern erreicht, mehr als 1.000 Häuser seien überflutet. Die russischen Besatzer meldeten, dass das Wasser in Nowa Kachowka zurückgehe.
Bätzing bezeichnete die Bedrohung für zehntausende Menschen und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Umwelt als alarmierend. "Es ist herzzerreißend zu erfahren, dass ganze Gemeinschaften ihre Häuser, ihre Lebensgrundlage und den Zugang zu sauberem Wasser verlieren könnten", so der DBK-Vorsitzende. Er dankte Caritas internationalis und anderen Hilfsorganisationen, die ihre Anstrengungen verstärkt hätten, um den Menschen vor Ort zu helfen und die notwendige Unterstützung bereitzustellen. Bätzing: "Es ist wichtig, dass humanitäre Hilfe schnell und effektiv bereitgestellt wird, um den Opfern zu helfen und die Grundbedürfnisse der betroffenen Gemeinschaften zu decken."
Bischof von Odessa: "Unvorstellbar katastrophale Lage"
Der katholische Bischof von Odessa, Stanislaw Szyrokoradiuk, hatte zuvor von einer "unvorstellbar katastrophalen Lage" im Gebiet Cherson nach der Zerstörung des ukrainischen Staudammes berichtet. Die Häuser von 20.000 Menschen stünden bereits unter Wasser; erst 2.000 von ihnen seien bislang evakuiert, sagte der Franziskaner am Dienstagabend telefonisch der Presseagentur Kathpress. Die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen seien kaum abzuschätzen; die humanitäre Not sei enorm. "In der ganzen Region ist die bevorstehende Mais- und Getreideernte vernichtet, und es gibt kein Trinkwasser mehr", so der Bischof. Noch immer steige in den Ortschaften unterhalb des Stausees – darunter auch in niedrigen Zonen der Provinzhauptstadt Cherson – das Wasser, "in manchen Teilen schon auf über drei Meter". berichtete Szyrokoradiuk. Er sei in ständigem Kontakt mit Priestern, deren Pfarren direkt betroffen seien und die der Bevölkerung mit beschränkten Möglichkeiten zu helfen versuchten.
Der Kachowka-Stausee ist mit 230 Kilometer Länge und bis zu 9,4 Kilometer Breite rund viermal so groß wie der Bodensee. Er fasst rund 18 Kubikkilometer Wasser, die nun in Richtung Schwarzes Meer strömen. An dem Stausee liegt das AKW Saporischschja. Es wird wie das Wasserkraftwerk mit dem Staudamm seit mehr als einem Jahr von russischen Besatzern kontrolliert. (stz)