Standpunkt

Gebt den Frauen das Kommando!

Gebt den Frauen das Kommando!
Bild: KNA/Katharina Gebauer

"Gebt den Frauen das Kommando" war der Titel der Veranstaltung und es ging in dem Fall nicht um eine Umkehrung der Verhältnisse in der katholischen Kirche, sondern um feministische Außenpolitik. Das Podium im Rahmen des evangelischen Kirchentags war besetzt mit hochengagierten, beeindruckenden Frauen, der Saal war voll und die Zeit viel zu kurz.

Am Ende war die Dringlichkeit und Vielfalt des Themas wohl allen klar: Feministischer Außenpolitik geht es um Gerechtigkeit für alle, die diskriminierten Gruppen angehören. Vieles von dem, was gesagt wurde, findet sich auch in den Ausführungen des Auswärtigen Amtes. Klar gesagt wurde: Feministische Politik braucht es in vielen weiteren Bereichen und dabei geht es zunächst darum, den eigentlichen Fachleuten für Diskriminierung zuzuhören. Diese sind an erster Stelle nicht Politiker*innen oder Wissenschaftler*innen, sondern Betroffene. In der Mehrzahl sind es Frauen, die sich in Kriegsgebieten um die Opfer kümmern, die mit ihren Kindern auf der Flucht sind oder die vergewaltigt werden.

Angehörige auch anderer diskriminierter Gruppen sind Expert*innen für Gerechtigkeit. Tag für Tag zeigen dies beispielsweise Frauen und ihre Unterstützer im Iran in lebensgefährlichen, öffentlichen Protesten. Auf Frauen hören und ihnen sehr viel mehr Einfluss geben oder am besten "das Kommando", kann Ziele, Strategien und Ergebnisse zum Beispiel in Friedensverhandlungen verändern.

Bisher, so wurde in der Veranstaltung gesagt, findet man nur unter zehn Prozent der Friedensvereinbarungen Unterschriften von Frauen. Wir als Kirchen, Kirchenmitglieder und Angehörige der Zivilgesellschaft sind gefordert,  uns aus unserer christlichen Haltung heraus einzusetzen für intersektionalen Feminismus. Die Glaubwürdigkeit der Chefetage der im Kern sexistisch-misogynen katholischen Kirche mag da begrenzt sein. Gleichzeitig können gerade diejenigen, die in unserer Kirche selbst Betroffene sind, umso mehr die oft noch viel bedrohlicheren Situationen diskriminierter Menschen weltweit verstehen. Ein erster Schritt wäre: Zuhören, zum Beispiel der Journalistin Gilda Sahebi. Und der zweite Schritt: Stellung beziehen, zum Beispiel zur aktuellen Entscheidung zum Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen.

Regina Nagel

Die Autorin

Regina Nagel ist Vorsitzende des Gemeindereferent*innen-Bundesverbands und verantwortliche Redakteurin der Verbandszeitschrift "das magazin".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.