Solidaritätsreise nach Bagdad und in den Nordirak

Erzbischof Bentz im Irak: Christen stärken für die Versöhnung

Veröffentlicht am 31.01.2025 um 12:40 Uhr – Lesedauer: 4 MINUTEN

Bagdad/Bonn ‐ Erstmals seit 2018 besucht ein deutscher Bischof den Irak. Ein Land, das nach langer Terrorherrschaft den Weg in eine friedliche Zukunft finden möchte. Dabei suchen auch Christen, Jesiden und Muslime nach ihrer Rolle.

  • Teilen:

Mit einem Besuch im Irak wollen die deutschen Bischöfe die verbliebenen Christen im Land stärken. Er wolle "den Christinnen und Christen im Irak sagen, dass wir an ihrer Seite stehen", erklärte der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz am Freitag nach seiner Ankunft in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

"Der Irak hat sich nach den Terrorjahren des 'Islamischen Staates' erholt, aber er sucht noch immer nach friedlicher Koexistenz von Religionen und Konfessionen", fügte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hinzu. Zuletzt war ein deutscher Bischof 2018 im Irak. Danach geplante Reisen waren wegen der Corona-Pandemie und aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.

Der Irak mache einen Versöhnungsprozess durch, an dem die Kirche mit ihrem zivilgesellschaftlichen Einsatz wesentlich beteiligt sei, so Bentz weiter. Gerade angesichts der Unsicherheit in der christlichen Bevölkerung nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien wolle er vom Irak lernen, wie das Land nach einer Terrorherrschaft zu neuer Zuversicht und gemeinsamer Verantwortung aller Bevölkerungsteile gefunden habe.

Jesiden dürften nicht vergessen werden

"Mir ist wichtig, dass wir den Irak – als Wiege der Zivilisation und auch des frühen Christentums – nicht aus dem Blick verlieren", ergänzte der Bischof. In Bagdad, im nordirakischen Erbil und in der Ninive-Ebene wird Bentz ranghohe Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft treffen. Außerdem will er Hilfsprojekte der Caritas besuchen und sich ein Bild machen von Wiederaufbauprogrammen und den Rückkehrmöglichkeiten von Christen in der Region.

"Beim Wiederaufbau des Irak bedarf es einer verantwortungsvollen Kooperation von Kirchen, Religionen und dem Staat. Nur zusammen lässt sich dieser Prozess forcieren", betonte der Bischof. Außerdem wolle er "bei aller Solidarität mit unseren christlichen Schwestern und Brüdern die Jesiden nicht vergessen, die in besonderer Weise unter dem Terror gelitten haben". Wie den Christen müsse auch dieser Glaubensgemeinschaft der verfassungsrechtlich zugesicherte Minderheitenstatus erhalten bleiben: "Mein Solidaritätsbesuch gilt daher allen: Christen, Jesiden und auch den muslimischen Bekenntnissen." (KNA)