Verfahren am Münchner Landgericht kommt nicht recht in die Gänge

Öffentlichkeit im Prozess zu Eichstätter Finanzskandal ausgeschlossen

Veröffentlicht am 13.01.2026 um 15:43 Uhr – Lesedauer: 

Eichstätt/München ‐ Vor dem Landgericht München II geht der Prozess zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt weiter. Zum Auftakt hatte es einen Eklat gegeben, ein Angeklagter erschien nicht zur Verhandlung. Auch beim zweiten Termin an diesem Dienstag fehlte er.

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Der Prozess zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt kommt nicht recht in die Gänge. Auch zum zweiten Verhandlungstag erschien einer von zwei Angeklagten, ein US-Immobilienentwickler, nicht vor dem Landgericht München II. Der Beschuldigte hatte schon vergangenen Donnerstag zum Prozessauftakt gefehlt – seinem Verteidiger zufolge, weil er sich zur Behandlung in einer Klinik befindet. Das Gericht hörte nun zwei behandelnde Ärzte des Mannes an und schloss dazu die Öffentlichkeit aus, wie ein Justizsprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte. Es sei aktuell offen, wie es mit dem Prozess weitergehe. Das betrifft auch die Gerichtsentscheidung über einen Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte wegen der Abwesenheit des Immobilienentwicklers beim Prozessstart einen Haftbefehl gegen den Mann gefordert.

In dem Finanzskandal geht es um Investitionen aus Bistumsvermögen in US-Immobilienprojekte in den Jahren 2014 bis 2016. Rücklagen von fast 60 Millionen US-Dollar waren hochriskant angelegt worden. Zwei Beschuldigten werden in diesem Zusammenhang diverse Vorwürfe gemacht: Neben dem US-Immobilienentwickler betrifft dies einen früheren leitenden Mitarbeiter in der Finanzabteilung des Bistums. Beide Beschuldigten sind keine Geistlichen. Die 10. Strafkammer des Landgerichts München II hat für den Prozess 59 Verhandlungstage anberaumt – bis 20. August. Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke (71) soll am 5. März als Zeuge vernommen werden. Dem ehemaligen Bistumsmitarbeiter werden Untreue in 22 Fällen, Bestechlichkeit in 24 Fällen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Dem Immobilienentwickler werden 25 Fälle von Bestechung, 24 Fälle von Anstiftung zu Untreue und darüber hinaus fünf Fälle von Untreue zur Last gelegt.

Die beiden Beschuldigten saßen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft. Gegen den Immobilienentwickler hat das Bistum zudem Zivilklage vor dem Landgericht Ingolstadt erhoben. Dieses Zivilverfahren ist allerdings wegen des Münchner Strafverfahrens zurzeit ausgesetzt. Publik gemacht hatte den Finanzskandal der damalige Eichstätter Bischof Hanke Anfang 2018, der seit Pfingsten 2025 im Ruhestand ist. Im Sommer 2017 hatte Hanke externe Wirtschaftsprüfer und Anwälte eingeschaltet und Anzeige erstattet. Zeitweilig befand sich auch Hanke selbst im Visier der Ermittler; das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein. Als Folge des Skandals überarbeitete die Diözese ihre Anlagerichtlinien. Heute kümmern sich externe Dienstleister um die Investments. Bisher hat das Bistum ungefähr die Hälfte der Investitionen zurückerlangt. (KNA)