Vatikan hob Ausschluss aus Gemeinschaft auf

Konflikt um Missbrauch – Prominenter Jesuit verlässt Orden

Veröffentlicht am 21.01.2026 um 12:20 Uhr – Lesedauer: 

Santiago ‐ Wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt wurde ein prominenter Jesuit in Chile aus dem Orden ausgeschlossen. Der Vatikan hob seinen Rausschmiss auf – die Jesuiten überzeugte das jedoch nicht. Nun will er Konsequenzen ziehen.

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Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um mutmaßliche Missbrauchstaten hat der prominente chilenische Jesuit Felipe Berrios (69) angekündigt, den Orden zu verlassen. Wie das US-Portal "Crux" am Mittwoch berichtet, habe Berrios in einen Brief den Ordensprovinzial über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt. Demnach beklagt sich Berrios in dem Schreiben über seine Behandlung durch die Ordensleitung. Nun wolle er mit dem Erzbischof der nordchilenischen Stadt Antofagasta, wo er aktuell für eine soziale Organisation arbeite, über eine mögliche Aufnahme in den dortigen Klerus sprechen.

2024 hatten die Jesuiten Berrios zunächst nach einer kirchenrechtlichen Untersuchung aus dem Orden ausgeschlossen und ihm jeglichen priesterlichen Dienst untersagt. Grund waren Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Mädchen und jungen Frauen, die nach Bekanntwerden 2022 zu einer vorübergehenden Suspendierung des Geistlichen führten. Berrios selbst hatte eine Untersuchung durch die chilenische Justiz beantragt, die seine Unschuld beweisen sollte. Im staatlichen Verfahren wurde er schließlich vollständig freigesprochen, woraufhin er beim vatikanischen Dikasterium für die Glaubenslehre eine Überprüfung seines Ausschlusses aus dem Orden ersuchte. Im Dezember 2025 hob das Glaubensdikasterium den Ausschluss endgültig auf.

Orden weiter von Schuld überzeugt

Die Jesuiten in Chile sind allerdings weiterhin überzeugt, dass Berrios schuldig sei. "Auch wenn in bestimmten Fällen die vom kanonischen Verfahren geforderte moralische Gewissheit in Bezug auf einige der Tatsachen nicht erreicht wurde, wurde dennoch ein Verhalten festgestellt, das Grenzen überschritten und Schaden verursacht hat, was wir zutiefst bedauern", heißt es in einer Erklärung. Zudem hält der Orden einige Sanktionen gegen Berrios aufrecht. Vertreter von Missbrauchsbetroffenen halten die Anschuldigungen gegen den Geistlichen ebenfalls für plausibel.

Felipe Berrios zählt zu den bekanntesten Geistlichen in Chile. Er gründete dort zahlreiche soziale Nichtregierungsorganisationen, zudem arbeitete er etwa in Burundi und im Kongo. Vor Bekanntwerden der Vorwürfe hatte 2022 die damals neue Regierung des linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric dem Geistlichen angeboten, eine Führungsrolle bei Projekten für den sozialen Wohnungsbau im zuständigen Ministerium zu übernehmen. Während ihm sein Orden grünes Licht gab, verzichtete Berrios aber auf den Posten. (KNA)