Erzbischof wünscht sich offenere Debattenkultur

Koch: Meinungen auch in der Kirche zu oft "in Stein gemeißelt"

Veröffentlicht am 21.01.2026 um 14:54 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ Mehr Offenheit, weniger Rechthaberei: Erzbischof Heiner Koch mahnt eine offenere und respektvollere Debattenkultur an – auch in der Kirche und bei Glaubensthemen. Meinungen dürften nicht "in Stein gemeißelt" sein.

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Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wünscht sich eine stärker von Offenheit und Respekt geprägte Debattenkultur – auch in der katholischen Kirche. Er erlebe leider auch in der Kirche oder bei Glaubensthemen oft, "dass Meinungen bereits wie in Stein gemeißelt sind, Personen ihre Sicht für die einzig wahre halten und sich jeder neuen Sichtweise verweigern", sagt Koch in seinem neuen "Wort des Bischofs" im rbb-Radiosender 88,8 (Samstag). Mitunter würden allzu schnell Fakten ignoriert und die gefühlte Wahrheit werde zur einzigen Wahrheit. "Wenn man sachlich nicht derselben Meinung ist, wird es direkt persönlich genommen."

Er beobachte immer mehr, dass die Fähigkeit konstruktiv miteinander zu diskutieren oder andere Meinungen zu akzeptieren, immer mehr verloren gehe, so Koch weiter. "Echte, sachliche Debatten, werden immer seltener. Dabei liegt doch genau darin eine riesige Chance." Er wünsche sich, dass sich wieder mehr Menschen als lebenslang Lernende verstünden, "wir wieder mehr miteinander diskutieren, ohne uns zu trennen".

Auch Christsein heiße, ein Leben lang ein Lernender zu bleiben. "Ich finde, das ist eine Haltung, die uns allen gut zu Gesicht steht – ganz gleich, woran wir glauben." Wer meine, er sei fertig, wer glaube, er wisse schon alles, der werde starr und höre auf, sich zu entwickeln. "Wer aber lernt, der bleibt wach, der bleibt lebendig und neugierig", sagte Koch. Die Radio-Kolumne "Wort des Bischofs" gibt es seit 1993. Aktuell sprechen Erzbischof Koch und der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein, die Kolumne im wöchentlichen Wechsel. (stz)