Weihe am Samstag

Neuer Wiener Erzbischof: "Recycelter" Stab und Orgelpfeifen im Wappen

Veröffentlicht am 22.01.2026 um 11:56 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Nach fast genau einem Jahr bekommt Wien wieder einen Erzbischof: Josef Grünwidl wird am Samstag im Stephansdom geweiht. Vorab sprach er darüber, wie er das Amt angehen möchte – und über seine Insignien.

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Josef Grünwidl blickt kurz vor seiner Bischofsweihe zuversichtlich auf seine künftige Aufgabe als Wiener Erzbischof. Er gehe dem Tag in großer Dankbarkeit sowie mit Freude und Hoffnung entgegen, sagte Grünwidl am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Wiener Stephansdom. Der 62-Jährige wird am Samstag dort zum Bischof geweiht und tritt damit offiziell das Amt an.

Er wolle die aktuellen Probleme der Kirche nicht kleinreden, so Grünwidl weiter. Doch er betonte: "Ich definiere die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes." Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade "dramatisch" ändere, werde es gut mit der Kirche weitergehen. "Allerdings ganz anders als wir es gewohnt sind."

Insignien

Bei dem Pressegespräch sprach Grünwald auch über seine Insignien. Diese sollen "möglichst einfach und schlicht sein". Bei der Weiheliturgie erhält er einen Bischofsstab, der dem früheren Wiener Weihbischof Helmut Krätzl (1931–2023) gehörte, dessen Zeremoniar Grünwidl war. Für die neue Verwendung wurde der Stab restauriert. Als Bischofsring entschied sich Grünwidl für eine silberne Nachbildung des ursprünglich goldenen Konzilsrings, den Papst Paul VI. den Vätern des Zweiten Vatikanischen Konzils schenkte. Dieser zeigt Christus sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus und stehe für Gemeinschaft und ein synodales Amtsverständnis. Als Brustkreuz wird Grünwidl eine Kopie des silbernen Kreuzes von Papst Franziskus (2013–2025) tragen, das Christus als Guten Hirten zeigt.

Auch das Wappen des künftigen Wiener Erzbischofs wartet mit einer Besonderheit auf. In einem Feld sind fünf Orgelpfeifen abgebildet. Für Grünwidl, der Orgel studiert hat, ist das nicht nur ein Zeichen seiner Verbundenheit mit der Kirchenmusik: "Eine Orgel mit ihren vielen unterschiedlichen Pfeifen, den großen und kleinen, den sichtbaren und unsichtbaren, symbolisiert für mich die Kirche in ihrer Vielfalt und Einheit." So wie die Orgel den Wind brauche, um zu erklingen, brauche die Kirche das Wehen des Geistes.

Grünwidl war im Oktober von Papst Leo XIV. zum neuen Wiener Erzbischof ernannt worden. Nach dem altersbedingten Rücktritt seines Vorgängers, Kardinal Christoph Schönborn, im Januar 2025 hatte er das Erzbistum bereits übergangsweise geleitet. Schönborn wird als Hauptkonsekrator Grünwidls Bischofsweihe vornehmen. (mal)